Darcy James Argue leitet hr-Bigband

Grenzen ausloten

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Der kanadische Komponist und Dirigent Darcy James Argue gilt als viel versprechender Newcomer in der Jazzszene.

Frankfurt - Der Dirigent Darcy James Argue zeigt auf dem Jazzfest der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, was mit einer Bigband möglich ist. Von Detlef Kinsler 

Die hr-Bigband zu Gast auf dem HfMDK-Jazzfest, das ist längst eine lieb gewonnene Tradition. 2014 markierte ihr Konzert mit Steely-Dan-Interpretationen das ausverkaufte Finale, in diesem Jahr eröffnet der Jazz-Klangkörper des Hessischen Rundfunks die mehrtägige Veranstaltung.

Eines von zehn Konzerten mit insgesamt zwanzig Gruppen an vier Abenden - da können sich vor allem die Studierenden der HfMDK in unterschiedlichen Ensembles vorstellen. Die Profis im Angebot, neben der hr-Bigband noch Gitarrist Frank Wingold (28. Januar, 20 Uhr) mit seinem Trio und raffinierten Kompositionen, sind sozusagen das „Anschauungsmaterial“ für die Studenten. Und da man - man muss es leider gebetsmühlenartig immer wieder anmerken - an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst dem Jazz mit dem Jazz zwar huldigt, man ihn aber nicht studieren kann, macht es Sinn, wenn man Kompositionen präsentiert, die alles andere als puristisch eher dem Crossover (von Klassik bis Pop) huldigen.

Am New England Conservatory in Boston gelernt

Wie die Stücke des kanadischen Pianisten und Orchesterleiters Darcy James Argue. Am New England Conservatory in Boston lernte er unter anderem bei Bob Brookmeyer und John Hollenbeck, seit fast zehn Jahren leitet er seine eigene Bigband, die Darcy James Argue’s Secret Society. Sein Album „Infernal Machines“ wurde 2011 für einen Grammy nominiert, die zwei Jahre später veröffentlichte CD „Brooklyn Babylon“ faszinierte als Ton-Novelle und Klangkollaborat aus Jazz (Bigband bis Progressive), Indie- und Post Rock, (Balkan-) Folk, Minimal sowie World Music. Der Zuhörer wird durch Brooklyn (wo Argue heute lebt) geführt, erlebt „The Neighbourhood“, „The Tallest Tower In The World“, „Construction + Deconstruction“ und „Coney Island“. Storytelling mit Sogwirkung ganz ohne Worte. Leider kommt heute nicht die komplette Suite zur Aufführung, sondern nur Auszüge aus dem fast einstündigen Werk. Aber auch die anderen Arrangements atmen den selben Geist.

Sie sind eine echte Herausforderung selbst für ein mit allen Wassern gewaschenes Ensemble wie die hr-Bigband, die sich schon erfolgreich durch Partituren mit indischer, mongolischer, libanesischer und maghrebinischer Musik gekämpft hat. „Sechs Probentage, viele lange Dienste, und die Jungs haben sich sogar schon zuhause in den Weihnachtsferien vorbereitet“, erzählt der Manager der Bigband, Olaf Stötzler, die Annäherung seiner Musiker an rhythmisch Komplexes. Das wird nun von Argue akribisch für die drei Auftritte - neben Frankfurt sind noch zwei Gastspiele im Wiesbadener Kulturforum am 29. und 30. Januar geplant - erarbeitet.

HfMDK Jazzfest vom 27. bis 30. Januar 2015, Beginn jeweils 18 Uhr, Tageskarte: 10 Euro (am 27. Januar: 19 Euro). Weitere Infos gibt's auf der Homepage.  

Während der 39-Jährige in unseren Breiten eher noch ein Geheimtipp ist, wurde er in den USA vom renommierten Magazin „Down Beat“ bereits mit einem Kritikerpreis als „Bester Newcomer“ gewürdigt. Jim McNeely, der Chefdirigent der hr-Bigband und ebenso Wahl-New-Yorker, hatte Stötzler auf den jungen Kollegen aufmerksam gemacht. Beide zeigten sich begeistert. „Weil er die Grenzen auslotet, was man mit so einem Orchester machen kann.“ Da ist er ganz weit vorn mit dabei, „total eklektisch und contemporary“, so Stötzler. „Er saugt alles auf, was um ihn herum passiert.“

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