Rheingau Musik Festival

David Garrett: Werkgerecht am Barhocker

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David Garrett (rechts) mit dem „Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi“ unter Leitung von John Axelrod.

Wiesbaden - Wahrscheinlich hätte David Garrett draußen, im Wiesbadener Kurpark, vor sehr viel mehr Zuhörern spielen können. Von Axel Zibulski

Der Auftritt des 32-jährigen Crossover-Geigers im Kurhaus der Landeshauptstadt gehörte jedenfalls zu den am schnellsten ausverkauften Konzerten des aktuellen Rheingau Musik Festivals. Manchmal macht der gebürtige Aachener so etwas, ein klassisches Werk (hier: von Brahms) im Ganzen zu spielen, unterbrochen nur vom begeisterten Zwischensatz-Applaus seiner Fans.

Im Wiesbadener Kurhaus trat Garrett mit dem „Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi“ auf, erst 1993 gegründet und im Kurhaus vom ersten Dirigenten des Ensembles, dem US-Amerikaner John Axelrod, geleitet. Der dramatische Aufriss eingangs passte gar nicht schlecht: Verdis Ouvertüre zur Oper „Die Macht des Schicksals“ („La Forza del Destino“) klang satt von den tiefen Streichern fundiert, reich an Legato und bei opulentem Klang doch immer wieder schön verfeinert, von den geschmeidigen Holzbläser-Soli ebenso wie von der sanft, aber prägnant eingeflochtenen Harfen-Stimme.

Barhocker stand parat

Dann, der Barhocker stand parat, David Garrett, der für jeden etwas dabei hatte: Jeans, Jackett und T-Shirt zum Wiedererkennen des Unkonventionellen, außerdem das Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 von Johannes Brahms. Und eben den Barhocker, auf dem das Spielbein so kraftvoll zum Rhythmus auftreten konnte.

Sei‘s drum. Dass Garrett nicht nur Entertainer, sondern auch ein vorzüglich ausgebildeter Geiger ist, wurde beim Rheingau Musik Festival einmal mehr klar. Seine leicht angeraute, dadurch etwas herbe, aber auch präsente Tongebung sorgte für eine höchst werkgerechte Interpretation. Garrett ließ mit dem Mailänder Orchester, zwei Zugaben folgen: Niccolò Paganinis „Il Carneval di Venezia“ sowie Fritz Kreislers „Variationen auf ein Thema von Corelli im Stile von Giuseppe Tartini“. Auf bestens Bewährtes setzte das Orchester im zweiten Programmteil. Gegen jeden historisierenden Zeitgeist durfte Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 voluminös wie einst zu Karajans Zeiten klingen. Rossinis Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Sevilla“ war die einzige Orchesterzugabe.

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