Dunkle Lieder, helle Versionen

+
Alexander Veljanov, Sänger des Duos Deine Lakaien.

Offenbach - Einen Liederabend heißt man so etwas in der klassisch-romantischen Kunstmusik. Ein Sänger mit einem Klavierbegleiter: Dergestalt ist das Dark-Wave-Popduo Deine Lakaien momentan auf Tour zu erleben. Folgerichtig sind die Säle, wie nun Capitol, bestuhlt. Von Stefan Michalzik

1992 haben der Komponist und Produzent Ernst Horn und der Sänger und Texter Alexander Veljanov erstmals auf der Konzertbühne auf das elektronische Instrumentarium verzichtet, das für das Klangbild ihrer Studioaufnahmen von fundamentaler Bedeutung ist. Drei Jahre später erschien das Livealbum „Acoustic“, ein zweiter Strang neben der angestammten elektronischen Präsentationsweise hat die Bandgeschichte seither mitgeprägt.

Gegründet wurden Deine Lakaien – der Bandname geht auf eine Textzeile der Einstürzenden Neubauten zurück – Mitte der achtziger Jahre noch in der Hochphase von Dark Wave und Gothic. 2007 feierte das Duo ,,20 Years of Electronic Avantgarde“; mit dem avantgardistischen Anspruch ist es freilich schon lange nicht mehr sonderlich weit her. Deine Lakaien sind längst ein Traditionsunternehmen, das die einmal entwickelte Ästhetik allenfalls noch verfeinernd fortschreibt.

Wie auch immer: Die auf Stimme und Klavier reduzierte Version steht den Songs – das Repertoire ist ein retrospektivisches – durchaus gut. Der sanfte, sonore Bariton von Alexander Veljanov wirkt noch eindringlicher als sonst. Nur sein exaltiertes Showgebaren sticht im puristischen Ambiente unangenehm klar hervor.

Fast will es scheinen, als würden die Songs erst in dieser Form zu ihrer wahren Bestimmung finden. Mitunter erinnern sie nun an Kabarettlieder aus dem Berlin der zwanziger Jahre und an Kurt Weill. Melodramatische Züge und Pathos bisweilen inbegriffen. Derweil Veljanov den Divenpart auskostet, bleibt Ernst Horn auch am Flügel der Frickler im Hintergrund. Das Klangspektrum des Klaviers erweitert er von Fall zu Fall mittels Präparierung, Cluster oder Saitenperkussion. Wie immer gibt es nur Moll, Moll, Moll. Im Publikum: viel schwarz - auf der Bühne: nur schwarz. Das ist aber keine Hinweis auf die Zukunft des Duos. Die nimmt sich in der akustischen Variante eher rosig aus.

Kommentare