Konzert in der Commerzbank-Arena

Mehrgenerationen-Sound von Depeche Mode

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Musik für die Massen: Dave Gahan in der Pose des „Personal Jesus“, Andrew Fletcher wie stets hinter dem Synthesizer.

Frankfurt - Was vor 26 Jahren wie Prophetie klang, ist heute unumstößlicher Fakt. „Music for the Masses“ betitelte die englische Band Depeche Mode 1987 ein Album, bot aber alles andere als massenkompatible Musik. Von Christian Riethmüller

Ein Vierteljahrhundert später können sich alle auf das Trio einigen, wie nun auch in der ausverkauften Commerzbank-Arena in Frankfurt zu erleben war.

Das Geheimnis heißt Stadionrock und genau diesen bieten Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher nun in Vollendung, auch wenn die Synthesizer wie einst noch blubbern dürfen. Die Elektronik der achtziger Jahre ist aber weitestgehend im (blues-)rockigen Breitwandsound aufgegangen, der vom donnernden Schlagzeugspiel des österreichischen Tour-Drummers Christian Eigner mehr als nur akzentuiert wird.

Das freut die Rockmusik-Fans im weiten Rund, die mittlerweile ebenso selbstverständlich zu Depeche Mode-Konzerten pilgern wie die ewigen New Romantics. Kinder haben beide Gruppen mit im Schlepptau und bisweilen Oma und Opa noch dazu, so dass sich mittlerweile drei Generationen auf eine Band einigen können, die vielleicht nur in der Erinnerung einmal Avantgarde war.

Ganzer Sack voller Hits

Heute ist Depeche Mode eine der erfolgreichsten Gruppen der Geschichte mit einem ganzen Sack voller Hits, der sich gar nicht mehr über das Programm eines einzigen Konzertabends verteilen lässt. Den Sack öffnete die Band denn auch zwar weit, aber nicht ausschließlich. Vielmehr spielte sie einen guten Teil des neuen, electroblueslastigen Albums „Delta Machine“, dessen Songs wie „Angel“ oder „Heaven“ aber nicht nur nettes Füllmaterial zwischen den frenetisch bejubelten Hits wie „Enjoy the Silence“, „A Question of Time“, „Personal Jesus“ oder dem wunderbaren „Precious“ waren, sondern im knapp hundertvierzigminütigen Programm gut bestehen konnten.

Faszinierend war das von Starfotograf Anton Corbijn konzipierte Spektakel aus Filmen und Visualisierungen auf den Videoleinwänden zu sehen, die ansonsten aber vor allem Dave Gahan als überlebensgroßen Showmann präsentierten, der mit seinen Tänzen und Gesten fast schon Mick Jagger in den Schatten stellen könnte. Durchtrainiert und gut bei Stimme, ließ Gahan auch vergessen, dass frühere Depeche Mode-Shows durchaus blutleere und steife Veranstaltungen sein konnten, bei denen die ganze Mannschaft nur auf die Tasten der Synthesizer starrte. Diese Rolle hatte diesmal nur noch Andrew Fletcher als Herrscher über die Elektronik inne, während Gitarrist Martin Gore von Gahans immer gelösterer Stimmung allmählich mitgerissen wurde.

Depeche Mode in der Commerzbank-Arena

Depeche Mode in der Commerzbank-Arena

Gore eröffnete denn auch mit einer hübschen Piano-Version von „But Not Tonight“ den vielbejubelten Zugabenteil, der mit Hits wie „Just Can"t Get Enough“, „I Feel You“ und „Never Let Me Down Again“ nochmals exemplarisch zeigte, dass Depeche Mode längst das bieten, was sie 1987 noch mit einer gewissen Chuzpe versprachen: Musik für die Massen.

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