Durch die Blume gejazzt

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Blick zurück nach vorn: Joe Lovano, Titan unter den zeitgenössischen Tenorsaxofonisten, wandelt auf Miles Davis’ Spuren.

Gerade wurde die 40. Wiederkehr des Woodstock-Festivals bis zum Überdruss abgefeiert, da kommt ausgerechnet das Deutsche Jazzfestival in Frankfurt und setzt noch einen drauf. Huldvoll soll es an dem einen der drei Festivaltage im Sendesaal des Hessischen Rundfunks indes nicht zugehen, wie Peter Kemper aus der hr-Redaktion versichert. Von Stefan Michalzik

Vielmehr gehe es darum, Querverbindungen zum Jazz aufzuzeigen.

Die hr-Bigband greift mit dem aus der Jazzfusion kommenden Altsaxofonisten David Sanborn unter dem Motto „Spirits Dancing“ die Musik von Carlos Santana auf. Das um eine Rhythmusgruppe erweiterte World Saxophone Quartet spielt Anverwandlungen der Musik von Jimi Hendrix. Mit Pophits der Woodstock-Ära beschäftigt sich das bezeichnenderweise Flower Power genannte Trio um den italienischen Schlagzeuger Aldo Romano.

Joe Lovano, Titan unter den Tenorsaxofonisten, stellt mit seinem Nonett die Nummern des bahnbrechenden Miles-Davis-Albums „Birth of the Cool“ in den Mittelpunkt. Die Karma Jazz Group der jungen, in diesem Jahr mit dem Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt geförderten Pianistin Natliya Karmazin kann sich mit ihrem Neobop erstmals einem großen Publikum vorstellen.

Musik des Maghreb nimmt Pianist Joachim Kühn mit seinem Trio auf. Für das Konzert mit der hr-Bigband unter Chefdirigent Örjan Fahlström schreibt er an neuen Stücken. Der Chicagoer Saxofonist Anthony Braxton, ein Pionier der freien Spielweise, trifft in seinem Diamond Curtain Wall Trio auf zwei Musiker aus der New Yorker Avantgarde. Die Tenorsaxofonisten David Liebman und Ellery Eskelin, zu deren Quartett der Schlagzeuger Jim Black gehört, tragen auf gewisse Weise Braxtons Staffelstab weiter. Der exzentrische Schweizer Kaspar Ewald verarbeitet mit seinem als „Exorbitantes Kabinett“ firmierenden Orchester Einflüsse von James Brown und Frank Zappa bis zu Gustav Mahler und Igor Strawinsky.

Auch die 40. Ausgabe des Festivals vom 29. Oktober bis 1. November will sich durch einen konzeptionellen Ansatz und den hohen Anteil an von der Festivalleitung angestoßenen Projekten abheben. Erstmals soll am dritten Tag in der im Mousonturm gelegenen Cristallobar DJ Oliver Korthals vom Hamburger Mojo-Club auflegen. Zudem fächert Sänger Michael Schiefel seine Stimme mittels Sampler orchestral auf. Wer am Sonntag um 11 Uhr schon wach genug ist, kann seinen Nachwuchs zur Jazz-Frühsozialisation mit einer Adaption des Gameboy-Klassikers „Super-Mario“ im hr-Sendesaal bringen.

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