Deutsche, wilde Herzen

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Cover des dritten Albums „Wildes Herz"

Ein „Wildes Herz“ versprechen Sachsen-Anhalts Musterknaben von Down Below. Nun sind sie mit ihrem ersten deutsch-sprachigen Album auf der Suche nach neuen Ufern. Doch der Kurs bedarf einer Korrektur. Von Holger Strehl

In ihrer Heimat Sachsen-Anhalt sind die Jungs um den charismatischen Frontmann Neo-Scope schon seit 2007 ein Garant für düster-schwere Musik mit Pop-Attitüde. Landesweit erhielten sie erst echte Aufmerksamkeit, nachdem sie ein Jahr später bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest überraschend den dritten Platz erzielten.

Discographie:

2004 Silent Wings: Eternity

2007 Sinfony 23

2009 Wildes Herz VÖ: 26. Juni

Dann wurde es etwas ruhiger um das Quartett. Beflügelt von der Euphorie nach der Sendung fiel die Entscheidung, das nächste Album rein in deutscher Sprache aufzunehmen. Diesem Vorhaben ist Down Below nun nachgekommen und fühlt sich gut damit. Doch das Ergebnis ist leider nicht ganz so wild, wie der Albumtitel verspricht. Ursprünglich aus der „Schwarzen Szene“ stammend, gehen die jungen Herren nach dem Erfolgshit „Sand in meiner Hand“ derzeit eher auf Mainstream-Kuschel-Kurs.

Down Below live erleben am 18. November im KUZ in Mainz.

Aus der Melancholie, Sehnsucht und dem Rausch vergangener Tage wurde nun zunehmend Schmuse-Pop. Die Arrangements klingen besser, das stimmt. Die gesamte Produktion weist durchweg Professionalität auf und man merkt, dass durchaus ein Reifeprozess stattgefunden hat. Doch nicht unbedingt in die erwünschte Richtung.

Die Bandmitglieder von Down Below: Neo-Scope, Carter, Mr. Mahony und Convex Quartetts.

Während Tracks wie „Frei“ noch richtig knallen und Lust auf mehr versprühen, schmerzt spätestens beim verweichlichten „Die Letzten Worte“ das Gothic-Zuhörerohr.
Auch textlich wäre mehr drin gewesen. Botschaften zu Themen wie Verantwortung, Selbstvertrauen, Freiheit und natürlich Liebe in einer Welt der Entfremdung und Schnelllebigkeit wirken auf „Wildes Herz“ wie eine Kopie einer Kopie.
Lobenswert ist Sänger Neo-Scope, da er mit seiner wandlungsfähigen, über alle Tonlagen wohlklingenden Stimme fasziniert und damit die balladesken Momente gut in Szene setzt.

Mehr Infos zur Band finden Sie auf ihrer Homepage

Wem die alten Alben zu hart und der Herzschmerz zu düster waren, wird mit dem dritten Werk seine wahre Freude haben. Echte Liebhaber von Darkrock sollten aber vorsichtig reinhören, um nicht enttäuscht zu sein.

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