Spuren einer Revolution

43. Deutsches Jazzfestival in Frankfurt

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Pianist Michael Wollny und Cembalistin Tamar Halperin.

Frankfurt - Der Begriff „Alleinstellungsmerkmal“ wird immer wieder gern benutzt, wenn es darum geht, einer Veranstaltung ein besonderes Prädikat zu verleihen. Das 43. Deutsche Jazzfestival vom 25. bis 28. Von Detlef Kinsler

Oktober im Sendesaal des Hessischen Rundfunks am Frankfurter Dornbusch ist ein Festival-Klassiker seit 1953 und lange Jahre als solcher – zumal in Deutschland – singulär. Längst gibt es viel Konkurrenz, umso mehr bemüht man sich um Einzigartigkeit.

„Wir wollen Projekte realisieren, die nicht an jeder Ecke zu finden sind“, spricht HR-Jazzredakteur Guenter Hottmann. Und die gelingen durch Musik-Konstellationen, die eigens für das Deutsche Jazzfestival entstehen. Ob nun der israelische Piano-Jungstar Yaron Herman auf den 76-jährigen Übervater des französischen Jazz, Michel Portal, trifft, Keith Tippetts Klavier zum ersten Mal zur Musik der britischen Progressive-Pioniere Soft Machine erklingt oder die Stick Men mit Peter-Gabriel- und King-Crimson-Bassist Tony Levin Unterstützung von Frank-Zappa-Schlagzeuger Terry Bozzio erfahren. Allesamt Unikate, auf die man mit Stolz verweisen kann. Aber auch darauf, dass man sich damit bewusst gegen den Mainstream stellt.

Motto „Jazz Rock Jetzt!“

Über das Motto „Jazz Rock Jetzt!“ mögen sich einige gewundert haben, mutmaßt Mitkoordinator Peter Kemper. Schließlich sorgte der Jazz Rock Ende der sechziger Jahre für Furore, mit Alben wie „Bitches Brew“ von Miles Davis oder Bands wie Weather Report und dem Mahavishnu Orchestra. Geschichte also? „Wir haben uns die Frage gestellt, was ist aus diesem damals revolutionären Impuls geworden?“, formuliert Kemper. „Wir wollten aber kein Revival.“

Also schaute man nach noch aktiven Heroen, lud zum Beispiel den Geiger Jean-Luc Ponty ein, der an vielen Schnittstellen der Fusion-Bewegung, bei Frank Zappa und mit John McLaughlin, agierte. Wie aktuell Fusion heute sein kann, dafür stehen Namen wie The Aristocrats, ein junges Trio, das im Geiste von Jimi Hendrix und Cream ihren Crossover voran treiben, und Nils Petter Molværs neues Projekt Baboon Moon, in dem der Norweger ätherische Trompetenklänge mit Electronics mischt. „Aber wir haben uns nicht sklavisch von diesem Schwerpunkt abhängig gemacht“, betont Kemper, dass nicht alle Musiker zwingend rocken müssen.

hr-Bigband wie gewohnt eingebunden

Auch die hr-Bigband ist wie gewohnt eingebunden. „Darauf freuen sich die Musiker immer besonders, denn das können sie zeigen, was ihnen steckt“, betont Bigband-Manager Olaf Stötzler. Dieses Mal können sie sich abarbeiten an Kompositionen von Jean-Luc Ponty und am Wunderkammer XXL, dem Projekt von Pianist Michael Wollny und Cembalospielerin Tamar Halperin. Jörg Achim Keller wird die Musik des Wahl-Frankfurters Wollny arrangieren. „Was genau wir da machen, wissen wir noch gar nicht. Das ist alles noch am Entstehen“, lässt sich Stötzler selbst überraschen.

Da das Jazzfestival inklusive Kinderkonzert am Sonntag so gut wie ausverkauft ist, hat der Hessische Rundfunk seinen Service erweitert. Neben Live-Übertragungen aller drei Konzertabende in h2-Kultur, gibt es auch einen Video-Stream unter www.jazzfestival.hr2-kultur.de und bei Arte unter www.artelive.web.

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