Dickköpfige Gesangs-Prinzessin

+
Das Kopftuch ist Kaye-Rees Markenzeichen: Das ist kein religiöses Statement. Die Frankfurter Soul-Sängerin mit persischem Vater findet ihr modisches Accessoire einfach schick und möchte nicht, dass die Leute sie vorschnell beurteilen.

Früher war sie Stammesprinzessin. Da ist sich Kaye-Ree sicher. In diesem Leben startet die Frankfurterin als Soulsängerin durch. Von Melanie Luke

In einem früheren Leben war Kaye-Ree eine afrikanische Stammesprinzessin. Oder die Tochter eines persischen Scheichs. Das erscheint gar nicht so abwegig, wenn die charismatischen Soulsängerin locker über Wiedergeburt philosophiert und einem dabei aus ihren grünen Augen ein Lächeln schenkt. Zum Lächeln hat die Tochter einer Deutschen und eines Iraners im Moment allen Grund.

Eben ist ihr Debütalbum „Endless Melody“ erschienen und die Kritiken bezeichnen sie bereits als die neue Sade. „Ich schwöre, wir haben niemanden bestochen“, sagt die 30-Jährige. Dabei hebt sie die Hand zum Schwur und lacht.

Hinter ihr liegen unzählige Stunden anstrengender Arbeit im Studio. Sie hat das Album komplett in Eigenregie produziert und zuvor alle ihre Songs, gemeinsam mit ihrem Gitarristen Felix Justen, selbst komponiert. „Ich bin Steinbock und sehr dickköpfig“, fügt Kaye-Ree hinzu. So eigensinnig, dass sie dafür ihr eigenes Label „Reevolution“ gegründet hat.

Der Song „Endless Melody“ als Video

Video

Anfangs hat sie Demo-Bänder an die großen Plattenfirmen geschickt. Aber die wollten sie musikalisch „in eine Schublade stecken“. Dagegen ist die im Iran geborene Sängerin, die mit anderthalb Jahren nach Deutschland kam, allergisch.

Ihre 15 sehr persönlichen Lieder auf ihrem ersten Album sind eine Mischung aus Soul, Jazz und Weltmusik. Kaye-Rees klare und zugleich warme Stimme singt von Liebesglück und -leid und dem Miteinander der Menschen.

Durch meine Texte lernt man mich kennen“, versichert die Sängerin. Sie möchte etwas von sich zeigen, mit ihrer Musik den Menschen helfen. „Man nimmt und gibt“, ist ein typischer Satz von Kaye-Ree. Musik hat in ihrem Leben immer eine Rolle gespielt. Schon als Kind fängt sie an zu tanzen, klassisches Ballett, Hip Hop, Jazz Dance. Oder sie übt den Moonwalk ihres Idols Michael Jackson.

Am 28. (Radio X-Bühne) und 29. August (Prinz-Bühne) ist Kaye-Ree auf dem Museumsuferfest in Frankfurt zu sehen, jeweils um 20 Uhr. Weitere Infos auf Kaye-Rees-Homepage

Als Kaye-Ree mit 16 Jahren eher durch Zufall bei einem Gesangs-Casting „Killing me softly“ von Roberta Flack zum Besten gibt, stolpert sie praktisch selbst über ihr Talent. Von da an hat sie den Wunsch, Sängerin zu werden. Trotzdem absolviert die Frankfurterin ein Marketing-Studium, arbeitet nebenher am Flughafen in der First Class-Betreuung. Das „erdet“ sie.

Durch ihre außergewöhnliche Stimme werden die bekannten Produzenten der Söhne Mannheims auf sie aufmerksam, holen sie in den Background-Chor von Sabrina Setlur. Aber Kaye-Ree kann mehr. Und sie will mehr. In den USA, so ist sie sicher, wäre es mit ihren Kontakten zur dortigen Musikszene einfacher gewesen, ihr Album zu produzieren.

In Deutschland gibt es einen Trend zu deutschsprachiger Musik“, formuliert Kaye-Ree die Hindernisse. Die selbstbewusste Musikerin möchte ihre Karriere jedoch in Deutschland starten. Sie lebt gerne hier. „Aber ich bin sehr vom Persischen beeinflusst“, sagt Kaye-Ree, die mit deutschem Namen Kathrin heißt. Ihr Künstlername ist eine Vereinfachung ihres persischen Namens Eftekhari, was soviel wie Stolz oder Ehre heißt. Das Kopftuch, das sie kunstvoll geschlungen über ihren dunklen Haaren trägt, ist ihr Markenzeichen. Ein modisches, kein religiöses. Oft bemerkt sie, wie die Leute neugierig schauen, sie aber nicht einordnen können. „Ich nehme den Menschen damit die Möglichkeit, mich vorschnell zu beurteilen“, sagt Kaye-Ree.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare