Dirigent mit klangvoller Visitenkarte

Frankfurt - Selbst die Dirigentenpflicht geriet zum Vergnügen: Beim Debütkonzert im Hessischen Rundfunk leitete Dima Slobodeniouk Igor Strawinskys Concerto in D. Von Axel Zibulski

Das reine Streicherstück ist gespickt mit Takt- und Rhythmuswechseln, bildet also eine ideale Visitenkarte für einen jungenOrchesterleiter.

Slobodeniouk, in Moskau geboren, in Finnland ausgebildet, ließ am Pult des hr-Sinfonieorchesters mehr als nur Präzision walten. Nichts Sprödes war im Strawinsky-Spiel – vielmehr hörte das Publikum fast swingende Leichtigkeit, seidige Farben, im Finale motorischen Schwung. Publikum und Orchester zollten dem jungen Mann mit seiner unmissverständlichen Genauigkeit am Ende, nach Schumanns letzter Sinfonie, den verdienten Respekt.

Zuvor begleitete Slobodeniouk, zuletzt Chefdirigent beim Sinfonieorchester im finnischen Oulu, die 23-jährige französische Pianistin Lise de la Salle in Mozarts Klavierkonzert Es-Dur KV 271. Der Beginn bedeutete einst eine kleine Revolution, weil Mozart das Klavier bereits in der Orchestereinleitung ein paar solistische Takte spielen lässt. Die junge Französin machte daraus eine Ansage ihrer Interpretation, so forsch, kantig-konturiert, dominant klang das erste Auftrumpfen. Straff, sparsam in Sachen pianistischer Ornamentik und mit Lust am fordernden Staccato-Spiel legte sie auch ihre weitere Interpretation des so genannten „Jeunehomme“-Konzerts an. Sogar im langsamen Mittelsatz bot de la Salle mehr eindringlich klagende Klavierrhetorik als jene Ruhe und Entspannung, die sie schließlich in ihrem zugegebenen Debussy-Prélude entfalten sollte.

Als Mozart-Begleiter gestaltete Slobodeniouk unaufdringlich mit; als Schumann-Interpret richtete er das Augenmerk auf die Bläserstimmen und räumte fast nebenbei das über den Komponisten verbreitete Vorurteil mittelmäßiger Instrumentierung aus. In seiner Interpretation der Sinfonie Nr. 4 d-Moll mit ihren pausenlosen Satzübergängen zeigte er sorgfältige Werkanalyse statt vordergründiger Exzentrik, Gefühl für Proportionen und Stimmungen sowie einen frischen, hellwachen Dialog mit dem hr-Sinfonieorchester.

Fazit: Musikfreunde möchten den Finnen russischer Herkunft in Frankfurt gern öfter hören!

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