Disko durchgeknallt

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Gemütlich und nicht zu chic, aber doch sexy soll der Club „Travolta“ der DJ-Brüder Dennis (links) und Julian Smith werden. Hauptsache: Disko-Feeling.

Noch sieht alles wenig Disko, mehr Baustelle aus. „Den Dark-room wird es hier nicht mehr geben“, sagt Julian Smith (34) und lacht. Der knapp zwei Meter große DJ mit dem Afrolook, den ganz Deutschland spätestens seit seiner Afri-Cola-Werbung kennt, leuchtet mit der Taschenlampe in den schmucklosen Raum, in dem die alte Wandfarbe abblättert. Von Kathrin Rosendorff

Früher war das der Dark- room des „Blue Angel“, einer der bekanntesten Frankfurter Schwulenclubs. Jetzt soll hier, unweit der Konstablerwache, in wenigen Wochen der Raucherraum reinkommen. Eine Etage weiter oben wird bald funky getanzt werden. Zu ein bisschen Disko, ein bisschen R‘n‘B und ein bisschen Soul. Jener Musikmix, der das Steckenpferd der Frankfurter DJ-Geschwister Smith ist.

Julians kleiner Bruder Dennis Smith (28) sitzt im Erdgeschoss auf einem Bauklotz. Detailliert erklärt er dem Innenarchitekten, wie das „Travolta“ – der erste Club der Smith-Brüder – denn aussehen soll. Zwei Floors auf 200 Quadratmetern sind geplant. Gemütlich und nicht zu chic, aber doch sexy soll es werden, soviel verraten die Smiths. Die Eröffnung ist für Ende Oktober, Anfang November geplant.

Bodenständig erzogen worden

Wir finden uns in wenigen Clubs in Frankfurt wieder. Und es war immer ein Traum unserer Familie, einen Club zu gründen“, erzählt Julian Smith. Auf seinem schwarzen T-Shirt prangt ein gemaltes Eis mit der Aufschrift „Niicce“. Als Mick Jagger in der Stadt war, hat Julian Smith für ihn exklusiv im „Walden“ aufgelegt. Regelmäßig ist er bei den MTV Video Music Awards gebucht und zählt Jan Delay zu seinen guten Freunden. Auch Dennis wird regelmäßig in Deutschlands Clubs und auf internationalen Messen gebucht. Doch das, betonen die „Smithies“, sei für sie kein Grund, sich von der normalen Clubwelt abzutrennen.

Bodenständig seien sie erzogen worden. Den Eltern gehörte eine Gaststätte in Groß-Krotzenburg. Ihr im letzten Jahr verstorbener Vater Willie war ein amerikanischer Ex-GI mit Liebe zu guter Soul-Musik und viel Humor. „Beim schwarzen Willie“, so der Name des elterlichen Restaurants, suchte Julian schon als Kind die Musik aus der Wurlitzer Jukebox aus. „Was uns von anderen Clubs unterscheidet? Nun wir sind einfach authentisch“, sagt Julian und lächelt. Beide Brüder betonen immer wieder, dass es ihnen um den Spaß an der Musik geht und weniger ums große Geld-Scheffeln. „Unsere Gäste brauchen sich nicht in schicke Klamotten werfen. Wir wollen Leute mit Ausstrahlung. Seelenverwandte, die sich ins Nachtleben stürzen und ausgehen, um sich auszutauschen.“ Auch soll es eine Bühne für Newcomer-Bands geben.

„Bei uns spricht die Musik für sich“

Wir wollen einen Erwachsenen-Laden, so ab 25 Jahre,“ betonen die Plattenaufleger-Brüder. „Also keine knallbunten Lasershow wie in anderen Läden so üblich. Bei uns spricht die Musik für sich.“

Und dies folgt dem Prinzip des legendären „Smitheinanders“- aus „alten Soulschinken“, HipHop, Black Pop und elektronischer Musik. Die Brüder legen jeweils einmal die Woche selbst auf. „Natürlich gibt es bei uns kein zu hartes House, schließlich tanzen ja in der Mehrheit eh die Frauen. Und die mögen es lieber weicher“, sagen die Smith-Brüder und grinsen.

Travolta, Brönnerstraße 17, Frankfurt.

Die weiblichen Gäste stehen auch auf den Hüftschwung des jungen John Travolta. Doch das war nicht der Grund für die Namensgebung des Clubs. „Travolta steht einfach für das unbeschwerte Diskogefühl aus Saturday Night Fever – dem 70er-Jahre-Klassiker. Und wir mögen einfach die durchgeknallte Tarantino-Welt wie bei Pulp Fiction“, erklären die Smiths. Dann fügt Julian hinzu. „Außerdem stecken in Travolta die Wörter ‚volt‘ und ‚travoltere‘ drin. Das heißt so viel wie überwältigend und Energie.“ Wie überwältigend und durchgeknallt das Travolta tatsächlich sein wird, wird sich in Kürze zeigen.

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