DJ Bobo - Eminem aus der Schweiz

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DJ Bobo singt schon seit 20 Jahren und spielt immer noch in den ganz großen Hallen

„Also mich will man doch nun wirklich nicht in Badehose sehen. Ich zumindest möchte mir keinen 44-jährigen Mann unterm Wasserfall ansehen müssen. Das ist einfach kein schönes Bild“, sagt DJ Bobo und lacht laut los. Von Kathrin Rosendorff

Er entpuppt sich als cooler Typ. Man vergisst im Gespräch gleich, dass man seine Eurodance-Mucke und seinen „Chihuahua“-Hit ziemlich uncool findet. In Frankfurt sitzt Peter René Baumann alias DJ Bobo in einem Bürozimmer bei hr3 und gibt Interviews. Denn er kommt dieses Jahr auf große Tour anlässlich seines 20-jährigen Bühnenjubiläums. „Dancing Las Vegas“ heißt die Show, die am 12. Mai in der Festhalle gastiert.

Weltweit über 14 Millionen Alben verkauft

DJ Bobo trinkt Tee, trägt so einen Alternativ-Schal und ist trotz Terminstress so ruhig, als würde er gerade seine Yoga-Matte nach einem Vhs-Kurs zusammenrollen. „Die Wasserspiele beim Konzert überlasse ich lieber meinen jungen Tänzerinnen.“ Diese hatten noch Sabberlätzchen um den Babyspeck-Hals, als DJ Bobo seinen ersten Hit mit „Somebody Dance With Me“ hatte. 1992 war das. Seitdem hat der zweifache Familienvater weltweit über 14 Millionen Alben verkauft.

Zwar haben ihn längst Justin Bieber und die Twilight-Stars als Bravo-Poster-Motiv abgelöst, aber ins Dschungelcamp muss er wohl niemals einziehen. „Also ab 15 Millionen Euro würde ich schon ins Dschungelcamp gehen. Irgendwo gibt es für jeden eine Schmerzgrenze“, betont der gelernte Bäcker- und Konditorgeselle und grinst. „Aber so viel kann RTL nicht zahlen“, sagt er.

50 Konzerte im In- und Ausland gibt er dieses Jahr

Aber sowieso hat DJ Bobo genug Geld. Er füllt immer noch die großen Hallen. 50 Konzerte im In- und Ausland gibt er allein dieses Jahr. Und der Schweizer gilt als letzter Überlebende der 90er-Jahre-Eurodance-Welle. Für seine Kollegen Haddaway, Culture Beat, Captain Hollywood oder 2 Unlimited hat die Musikwelt schon lange kein Foto mehr.

„Ich habe schon früh erkannt, dass diese Eurodance-Welle viel zu groß war. Und dass wir alle auf Dauer nicht überleben würden.“ Dann gibt er zu: „Ich war nicht gleich zu Recht da oben. Ganz ehrlich: Mein erster Song war schon stark genug, aber Song Nummer zwei war ein Rip-Off davon. Song Nummer drei war ganz nett, erst Song Nummer vier, „Everybody“, war wieder außergewöhnlich.“ Und was hat ihn dann erfolgreicher gemacht als die anderen? „Ich hatte den großen Vorteil, dass ich als Einziger in dieser Bewegung weiß war“, sagt er. „Die Leute mochten die schwarzen Sänger genauso, aber mit mir konnten sie sich besser identifizieren. Oder warum glaubst du, ist Eminem so erfolgreich?“ Das sei ihm jetzt erst im Nachhinein aufgefallen.

Disneyland und Holiday on Ice zusammengewürfelt

Aber es habe noch einen anderen Erfolgsgrund gegeben. „Viele meiner Kollegen dachten, es geht immer so weiter. Also haben sie ihre Einnahmen für fette Cabrios wie aus den Rapper-Videos rausgehauen“, erzählt DJ Bobo. „Ich als Schweizer habe schnell gemerkt, dass ich für den Erfolg mein Geld investieren muss. Und zwar in meine Bühnenshows.“

Für „Dancing Las Vegas“ hat er 3,5 Millionen Euro ausgegeben. Die Bühnenkonstruktion ist mit 14 Metern so hoch wie ein mehrstöckiges Haus. Es gibt eine Eislauffläche, einen zwölf Meter hohen Wasserfall und einen überdimensionalen Cadillac. Das klingt nach Disneyland und Holiday on Ice zusammengewürfelt.

Der DJ trägt zum Anlass einen nachgeschneiderten, gold-glitzerenden Elvis-Anzug. Neben Bobos eigenen Hits wie „There‘s A Party“ und neuen Titeln wie „Hero Of The Night“ singt er auch den Presley-Klassiker „Viva Las Vegas”. Ein großer Elvis- oder Vegas-Show-Fan ist der Schweizer nicht unbedingt. „Ich war zwar schon einmal in einer Siegfried&Roy-Show, aber das war ziemlich langweilig“, erzählt er. Doch er könne das auch nicht wirklich beurteilen. „Denn ich kann Zaubershows nicht ausstehen. Das ist wie mit den Leuten, die mich nicht mögen. Sie tun sich dann auch schwer, eine objektive Kritik abzugeben.“

„Zweimal B und zweimal O. Das sah einfach gut aus“

DJ Bobos Privatleben ist skandalfrei und so auch nicht in der Gala nachzulesen. Das sei auch gut für die Karriere. „Die Leute wollen wissen, was macht er Neues. Und nicht, mit welcher Schnecke zieht er heute um die Häuser?“ Mit seiner ehemaligen Vorband, den Backstreet Boys, ist er immer noch eng befreundet. „Wir treffen uns in L.A. oder wenn sie hier sind, lade ich zu mir nach Hause zum gemeinsamen Essen ein.“ Seinen Künstlernamen hat er übrigens von der Comicfigur „Bobo, der Ausbrecherkönig“ entliehen und nie bereut. „Zweimal B und zweimal O. Das sah einfach gut aus.“ Irgendwann fragte ihn niemand mehr in Spanien oder Südamerika: „Wieso heißen sie eigentlich DJ Blöd?“ Das bedeutet nämlich „bobo“ auf Spanisch. In Deutschland fragt auch schon lange keiner mehr: „Und wo legst du eigentlich auf?“

Am Ende sagt er noch: „Mit 44 überlasse ich David Guetta oder denen, die gerade heiß sind, gerne die Charts. Aber glaub mir, Guetta versucht krampfhaft ein Star zu werden wie Bobo, der in großen Hallen spielen kann.“ Er lacht und nimmt einen großen Schluck aus seiner Teetasse.

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