Dompteur der Massen

DJ Bobo: Festhalle als Abenteuerspielplatz

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DJ Bobo lässt nicht nur das Publikum springen, sondern auch die Kunstturner des eidgenössischen Nationalkaders.

Frankfurt - Akrobaten, Harlekins, Schlangenfrauen und andere Sensationen: DJ Bobo, der kleine Schweizer mit dem großen Faible für Bombast, erfindet auf seiner aktuellen Tour den „Circus“ neu. Von Peter Müller

Seine monumentale Show in der bis auf wenige Sitze ausverkauften Festhalle ist eine wagemutige Mixtur aus fröhlichem Parteitag, theatralischer Oper und opulenter Karnevalssitzung. Punkt 20 Uhr - die fleißigen Animateure haben bereits ganze Arbeit geleistet - nimmt das mit Drehorgeln und Spieluhren eingeläutete Spektakel richtig Tempo auf. Standesgemäß, mit Julius Fucíks „Einzug der Gladiatoren“, einem Marsch, der fast 120 Jahre auf dem Buckel hat. Das klingt nicht nur nach circensischem Jahrmarkt, man fühlt sich auch mittendrin im Spektakel: „Welcome to My Crazy Circus“ und „Are You ready to Party“ lässt der in roter Direktoren-Livree angetretene René Baumann alias DJ Bobo denn auch gleich wissen und posiert auf einer Bühne, die als Abenteuerspielplatz für Entertainer nur unzureichend beschrieben ist.

Über allem thront eine monströse Statue, 15 Meter hoch, gut 40 Meter in die Tiefe gebaut und mit 3D-Projektionen so angestrahlt, dass sie mal als Pierrot, mal als Metropolis-Figur, dann wieder als Terminator-Kopie daherkommt. Aus dem Bauch dieses Kolosses strömen in den nächsten zwei Stunden immer wieder bestens gebaute Tänzerinnen/Tänzer, Kunstturner des eidgenössischen Nationalkaders und andere kostümierte Hingucker - „die besten, waghalsigsten Akrobaten und die lustigsten Clowns“, wie Impresario Bobo schon zu Beginn orakelt hat.

Nein, an Superlative wird nun wirklich nicht gespart in diesem schrillbunten Luftballon-Universum, das musikalisch vor allem die guten alten Kirmes-Beats aus den seligen 1990-ern reanimiert. Aber eben nicht nur: DJ Bobo, die einzig überlebende Legende der Eurodance-Szene, hat natürlich Gassenhauer wie „Somebody Dance With Me“, „There is a Party“ oder das ulkige „Chihuahua“, das sich zur Massen-Karaoke mit Gymnastik auswächst, mitgebracht - aber in all der Sensationierungs-Lust auch noch Muße genug, einen Akustik-Block einzubauen.

DJ Bobo und Co.: So heißen die Stars wirklich

So heißen die Stars wirklich

Da ist dann wieder Jesse Ritch (genau, der aus der neunten DSDS-Staffel) an seiner Seite, um Michael Jacksons „Man in the Mirror“ oder Ohrwürmern wie „Volare“ und „Rhythm is a Dancer“ zu huldigen. Selbstredend immer in vorderster Front: Bobo Baumanns Ehefrau Nancy, die so etwas wie der heimliche Star eines Ganzen ist, das sogar La-Ola-Wellen in Zeitlupe auf die Ränge zaubert. DJ Bobo ist nämlich in der Tat ein ausgewiesener Massen-Dompteur: Ein paar kurze, ausnehmend freundliche Ansagen, ein paar Komplimente - und schon dirigiert er, „alle Hände hoch, rechte Hälfte gegen linke Hälfte - Hinsetzen, ich brauch´ ne Pause!“ - das Auditorium nach Belieben. So geht Kindergeburtstag für Erwachsene. Wobei, auch das ist so ganz genau nicht mehr zu sagen: In „Circus“ feiert die Oma genauso ausgelassen wie die zehnjährige Enkelin.

Und wer ganz mutig ist, steht plötzlich auch wie Sabrina aus Dreieich und Dirk aus Mainz mitten im Rampenlicht, um mit dem überaus nahbaren Superstar mal eben „Everybody“ in die Runde zu schmettern. Überflüssig zu erwähnen, dass auch diese Gaudi-Einlage mit frenetischem Jubel belohnt wird. Am Ende, kurz bevor DJ Bobo durch eine Luke in der Hallenmitte entschwindet, sind alle Fans restlos beglückt. Mehr geht nicht.

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