Luftschutzbunker als Proberaum

Neu-Isenburg - Es ist ein unscheinbares Gewölbe im Hinterhof eines Hauses. Gebückt geht es durch den Eingang und dann um verschiedene Ecken ein paar Stufen hinunter. Glücklich kann sich schätzen, wer es in den Kellerraum geschafft hat, ohne sich unterwegs den Kopf anzustoßen. Von Niels Britsch

Im trüben Licht stehen dort ein Sofa, Boxen, Verstärker und Musikinstrumente. Wo die Menschen im Zweiten Weltkrieg Schutz vor den Bomben der Alliierten suchten, schützen die dicken Mauern eines ehemaligen Luftschutzbunkers heute die Nachbarn vor den lauten Punkrock-Klängen der Musikband Dolf.

Dabei müssten die Anwohner gar nicht vor dem Sound der Neu-Isenburger geschützt werden – zumindest nicht, wenn sie auf Punkrockmusik stehen. Denn die meisten Menschen besuchen die Konzerte von Dolf gerne und freiwillig. Das Quartett hat sich schon weit über die Grenzen der Hugenottenstadt einen Namen gemacht – mit guter Musik. „Punkrock im weitesten und nahesten Sinne“, so beschreibt die Band ihre Musik. „Es ist Post-Punk der Postpunk-Ära“, konkretisiert Schlagzeuger Danny Hanke. Punkmusik einer Zeit quasi, in der auch schon die Epoche nach den großen Punkrock-Zeiten wieder vorbei ist.

Texte, Melodie und Komposition ihrer Stücke kreieren die vier Musiker selbst, die Texte sind meist englischsprachig und handeln vom alltäglichen Leben. „Wer die Ironie in unseren Texten nicht erkennt, könnte meinen, wir widersprechen uns in unseren Aussagen – dem ist aber nicht so. Wir verpacken unsere Gesellschaftskritik nur sehr ironisch“, so Danny. Seit 2003 machen Christian Kuhn (Gitarre und Gesang), Christian „Tuc“ Lerch (Gitarre und Gesang), Philipp „Borz“ Herzig (Bass und Gitarre) und Danny Hanke gemeinsam Musik, inzwischen haben sie zwei Alben herausgebracht und vertreiben ihre Songs auch über iTunes.

Vorgruppe von den Mad Caddies

Für den Bandnamen stand der Hund des ersten Schlagzeugers Pate, wie Christian Kuhn erzählt: „Der hieß Dolf und hat sich bei Proben und Konzerten immer vor die Basedrum gelegt und geschlafen, das hat uns imponiert.“

Mehr Infos zu Dolf gibt es auch auf Facebook.

Doch nicht nur mit ihrer Musik sind die vier bekannt geworden – vor drei Jahren gerieten sie ohne eigenes Verschulden durch einen tragischen Vorfall in die Schlagzeilen: 2009 überfiel eine Gruppe Jugendlicher ein Konzert von Dolf beim Musikspektakel „Open Doors“ in Neu-Isenburg, es gab mehrere Schwerverletzte. Als Konsequenz aus diesem Vorfall wollte die Stadt jegliche Punkrock-Konzerte für das Festival 2010 untersagen. Ein solches Verbot scheiterte allerdings am Widerstand der Musikfans – auch Dolf und zahlreiche Anhänger der Gruppe wehrten sich erfolgreich gegen einen solchen Beschluss.

In diesem Jahr wird die Band wieder bei dem Isenburger Musikspektakel auftreten. Ein weiterer Höhepunkt ihrer Musik-Karriere steht den Jungs indes noch bevor: Am 21. Juni wird Dolf als Vorgruppe der „Mad Caddies“ im Frankfurter „Nachtleben“ spielen.

Rubriklistenbild: © Dolf/op-online.de

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