Donner im Nebel

Frankfurt - Vor allem auf Tastendonner verflachte Khatia Buniatishvili ihre Auseinandersetzung mit Franz Liszts Klaviersonate h-Moll. Von Axel Zibulski

Die 24-jährige Georgierin gastierte im Mozart-Saal der Alten Oper, ohne auch nur in einem der Werke ein schlüssiges musikalisches Konzept anbieten zu können. Bereits in Joseph Haydns Sonate c-Moll Hob. XVI:20 ordnete sie ihrer Vorliebe für so kräftige wie beliebige Tempo-Schwankungen jegliche stilistische Treffsicherheit unter. Buniatishvilis Annäherung an Liszts Sonate ließ vor allem Unverständnis gegenüber dem komplexen Werk vermuten. Wie im Dauerstress absolviert klang ihre Interpretation, bei blass übergangenen Pianissimo-Passagen und viel zu schnell und kantig erreichten dynamischen Gipfeln. Hier wurden keine weiten Seelenlandschaften mit musikalischen Mitteln geöffnet; vielmehr degradierte sie die Sonate zum Vorlagengeber für Kraft und Schnelligkeit. Dabei konnte ihr Spiel nicht einmal technisch überzeugen: Ihr gern gewähltes Fortissimo klang nie tragend, sondern knallend, der vieles vernebelnde Pedaleinsatz unkontrolliert, kaum ein Lauf geschliffen ausgespielt.

Buniatishvilis Ahnungslosigkeit vom Lyrischen, wie sie sich in den langsamen Abschnitten der Liszt-Sonate abgezeichnet hatte, bestätigte sich in der Interpretationen dreier Lieder von Franz Schubert, wie sie Franz Liszt für das Klavier adaptiert hat. Das weltentrückte „Ständchen“ aus dem „Schwanengesang“ klang naiv wie ein alpines Liedchen, Gretchens Spinnrad ratterte mechanisch, und dass der „Erlkönig“ kein Poltergeist ist, sondern sein Opfer mit täuschender Lieblichkeit umschmeichelt, schien ihr völlig entgangen zu sein. Nur wer enthemmte Tastengewalt mit Virtuosität verwechselt, mag an ihrer Sicht auf Igor Strawinskys „Petruschka“ seine Freude gehabt haben – auf eine Differenzierung der Farben, des Klangs, auf ein Spiel mit Witz oder in plastischen Bildern hatte man ohnehin nicht mehr zu hoffen gewagt.

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