Seeed in der Festhalle

Seeed in der Festhalle: Dorfdisko auf Reisen

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Seit der Rückkehr von Peter Fox ist Seeed wieder gut im Geschäft.

Frankfurt - Drei Sänger im Glück: Seit der Rückkehr von Pierre Baigorry alias Peter Fox ist die Band Seeed wieder gut im Geschäft. Nun trat sie in Frankfurt auf. Von Anke Steinfadt

Eigentlich gehört Peter Fox alias Pierre Baigorry an diesem Abend nicht auf die Bühne. Nach einem heftig wummernden Bläser-Bass-Intro zur Begrüßung berichtet der Frontmann, dass er am vorherigen Tour-Stopp Hannover wegen Rückenproblemen im Krankenhaus gelegen hat. Auftrittstauglich machen ihn nun Spritzen, die, wie er sagt: „effektiv, aber nicht gesund“ sind. Er bittet die Fans um Verständnis, dass seine Bewegungen diesmal weniger ausschweifend ausfallen müssten. Ohrenbetäubender Applaus ist die Antwort. Der Innenraum der Frankfurter Festhalle ist ausverkauft. Die Ränge sind gut besetzt. The Show must go on. Folglich donnert sogleich „Wir sind Seeed“ durch die Halle. Die Tonqualität lässt zu wünschen übrig. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch. Das Meer aus Armen, die vor der Bühne wogen, macht Gänsehaut.

Seit Peter Fox’ Rückkehr ins Bandkollektiv, ist Seeed wieder gut im Geschäft. Sieben Jahre war Pause, dann katapultierte das im September veröffentlichte Album die Band direkt an die Spitze der Charts. Mit dem charakteristischen Reggae- und Dancehall-Mix verwoben mit deutschen Textkonstruktionen ganz eigener Art haben die Berliner seit der Gründung 1998 aus der Nische heraus ein breites Publikum erobert. Die aktuellen Hits wie „Augenbling“ und „Beautiful“ werden ebenso umjubelt wie die bekannten Gute-Laune-Granaten „Dickes B.“ und „Ding“.

Peter Fox erntet den meisten Applaus

Den meisten Applaus ernten allerdings Nummern aus Peter Fox’ Soloprojekt: „Alles neu“ und „Schwarz zu Blau“ – rhythmisch in ein Seeed-Gewand gehüllt. Der charismatische 42-Jährige mit den roten Haaren und der unverwechselbaren Stimme gibt der 13-köpfigen Formation Prägnanz und Charisma. Demba Nabé und Frank A. Dellé sind ideale Konterparts.

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Das Bühnenbild ist so schlicht wie effektvoll. In der mehrstufigen Holzkonstruktion haben die zehn Begleitmusiker ihre Plätze. An der Rückwand leuchtet eine riesige Halbkugel. Dazu wird die Bühne abwechselnd in satte Farbtöne oder helle Lichtstrahlen getaucht. Die drei Sänger, in eleganten schwarzen Zwirn gekleidet, wedeln mit Handtüchern und vollführen synchrone Ausfallschritte. LED-Wände zur Nahübertragung gibt es nicht. Und so bleiben die „Dancehall Caballeros“ für die meisten Besucher ein Miniaturerlebnis.

„Hands up and shake your body“ lautet der Leitsatz des Abends. Feiern und tanzen ist angesagt. Am Ende veranstalten die Berliner einen Tanzwettbewerb. Drei junge Frauen werden auf die Bühne berufen und messen sich zu „Schüttel deinen Speck“. Das Publikum darf abstimmen. Die Siegerin erhält ein T-Shirt. Die Showeinlage erinnert eher an Dorfdisko als an Hauptstadt. Enuff, Ear und Eased, wie sich die drei Frontmänner auch nennen (Grund für die drei „e“ im Namen), absolvieren sie in Frankfurt bereits zum 14. Mal. Fünf Termine stehen noch bevor. Fünf Mal werden sie die Halle erneut zum Beben bringen. Dann gibt es eine Pause. Und Erholung für Peter Fox Rücken.

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