Dream Theater in der Stadthalle

Grundsolides Rock-Handwerk

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Sänger James LaBrie ist von Anfang an dabei.

Offenbach - Wer sich nie um den Zeitstil geschert hat, läuft auch nicht Gefahr, aus der Mode zukommen. Dream Theater haben seit jeher Musik konsequent an der Zeit vorbei gemacht. Von Stefan Michalzik 

Im Jahr 1992, als den Progressive-Metal-Rockern aus New York mit ihrem zweiten Album „Images And Words“ der internationale Durchbruch gelungen ist, sind Nirvana und der Grunge gerade dabei gewesen, ein neues Kapitel in der Geschichte des Gitarrenrocks zu schreiben. Dream Theater hingegen haben unverdrossen Metal und Progressive Rock zusammengebracht, die beiden ungleichen Brüder aus den siebziger Jahren.

Dem Metal-Fan und seinen Heroen sagt man gemeinhin eine schier unverbrüchliche Treue nach. Jedenfalls gehören Dream Theater zu den Bands, die einfach immer weiter machen können, mit einem stetigen Erfolg. Rechnet man die Vor- und Frühgeschichte heraus, steht das Quintett in seinem 23. Jahr - die großen Säle, wie jetzt die Offenbacher Stadthalle, sind nach wie vor prächtig gefüllt. Die Fans können sich auf ihre Band verlassen, ernstliche musikalische Irritationen sind ausgeschlossen.

Viele Balladen

Dream Theater bringen Härte und Melos zusammen. Vom Progressive Rock haben sie die Tendenz zur epischen Breite und zum schieren Pomp übernommen. Der Balladenanteil ist beachtlich, die Tendenz geht zur Suitenform. Eine zentrale Rolle spielt neben der Gitarre das Keyboard, man mag sich an Jon Lord und Deep Purple oder auch an Rick Wakeman von Yes erinnert fühlen.

Das jüngste Studioalbum, schlicht „Dream Theater“ genannt, bietet wiederum solide handwerkliche Arbeit ohne Überraschungen. Auch auf der Bühne, im Zuge der Tour „Along for the Ride“ lässt das Quintett um den Sänger James LaBrie, die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder John Myung (Bass) und John Petrucci (Gitarre) sowie den Keyboarder Jordan Rudess und den Schlagzeuger Mike Mangini keine Ermüdung erkennen.

Im Konzertrepertoire finden sich etliche „Ausgrabungen“ aus frühen Alben. Durchgängig werden die Songs der Drei-Stunden-Show mit Videos untermalt, derweil die eigentliche Arbeit auf der Bühne puristisch ist. Nebenbei: Die Frauen im Publikum dürften gerade mal die Zehn-Prozent-Marke gerissen haben. Von aktuellen Entwicklungen im Rock ist diese Musik heute so weit entfernt wie einst. Darum geht es aber auch gar nicht, sondern um eine unbekümmerte Fortschreibung des Mottos „The Spirit Carries On“, wie ein Songtitel lautet.

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