Burgfestspiele Dreieichenhain

Mal dreckig, mal zärtlich

+
Rebekka Bakken

Dreieichenhain - Lieder von Tom Waits, interpretiert von einer Frau? Wer das knurrig-raue Organ des US-Amerikaners kennt, vermag sich das kaum vorzustellen. Aber Rebekka Bakken kann Waits. Von Markus Terharn 

Wenn der als Mädchen wiedergeboren wird, dürfte er sich wünschen, er könnte singen wie die 44-jährige Norwegerin. Ihr Konzert mit der hr-Bigband bei den Festspielen in Dreieichenhain begeistert die ausverkaufte Burg. Bakken macht nicht den Fehler, Waits zu imitieren; das hat sie gar nicht nötig. Ihre Stimme hat eine enorme Spannweite, stemmt Höhen und Tiefen eines Stücks wie „Yesterday Is Here“ mühelos. Sie tönt dreckig in „Just The Right Bullets“ oder zärtlich in „San Diego Serenade“.

Alles zu den Burgfestspielen in Dreieichenhain

Nach der Pause, mit einbrechender Dämmerung, verdüstert sich das Repertoire. Um so deutlicher wird, welch großartige Individualisten da unter Jörg Achim Kellers entspannter Leitung musizieren. Der Ensembleklang ist aufregend differenziert, etwa in „Going Out West“. Solisten mischen sich wunderbar mit Bakkens Vortrag, ob Oliver Leicht (Klarinette) oder Tony Lakatos (Tenorsaxofon), Rainer Heute (Baritonsax) oder Peter Reiter (Klavier). Die Palme gebührt Axel Schlosser für den virtuosen Trompetenpart in „Downtown“.

Auftakt der Burgfestspiele 2014

Auftakt der Burgfestspiele 2014

„And If I Have To Go, Will You Remember Me?“, fragt Bakken, ehe sie gehen muss, sich ihrem zwölf Wochen alten Baby zu widmen. Ja – wir werden uns erinnern! Lange nachdem die letzte Zugabe, selbst am Piano begleitet, unmissverständlich gemahnt hat: „It’s Time, Time, Time...“

Jazz in der Burg in Dreieichenhain

Kommentare