Dresdner tragen gern dicker auf

Bei Polarkreis 18 darf es gern eine Nummer größer sein. Derart üppig klang Popmusik aus Deutschland selten. Für ihr jüngstes Album „The Colour Of Snow“ hat die Band gar die Sinfoniker aus ihrer Heimatstadt Dresden engagiert.

Die dicht gewobenen musikalischen Texturen, mit denen Polarkreis 18 in der proppenvollen Frankfurter Batschkapp aufwarten, finden ihre Entsprechung in einer pompösen Show. Wie immer tritt das Sextett um Sänger Felix Räuber ganz in Weiß in Erscheinung. Die Lasershow trägt futuristische Züge. Strahlen durchschneiden den Raum und bleiben mitunter minutenlang wie eine Licht skulptur stehen.

Dem musikalischen Prinzip nach handelt es sich um Synthiepop. Freilich nicht im Sinne eines spielerischen Umgangs mit Klängen aus den 80er Jahren, den man mal eben unter „Retro“ einordnen könnte. Es geht um mehr: Dem Geiste nach sind Polarkreis 18 eine Art rockband mit Ambition zum Gesamtkunstwerk.

Mit gerade mal Mitte 20 haben die Bandmitglieder, die als 13-Jährige unter dem Namen Jack of the Trades Metalpunk spielten, zehn Jahre gemeinsame Rock-Erfahrung. Und das merkt man: Alles ist bis zur schieren Perfektion ausgebufft, ohne dass die Seele darüber verloren gegangen wäre. Die Musik greift ins Sphärenhafte aus, und mit Räubers betörender Kopfstimme ist das Bild einer Gegenwelt vollends perfekt. Polarkreis 18 sind als Romantiker dem Trend zur großen Show auf deutschen Popbühnen zuzuordnen. Fürs Überirdische sind sie doch zu gut geerdet. STEFAN MICHALZIK

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