Punk-Band Broilers

Harter Weg zur Blume

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Sammy Amara und seine Broilers brachten die Stadthalle zum Kochen.

Offenbach - Unterwegs mit ihrem neuen Album „Noir“ begeistert die Düsseldorfer Punk-Rock-Band „Broilers“ in der ausverkauften Offenbacher Stadthalle das Publikum. Von Thomas Ungeheuer

„Eine wunderbare Musik!“ Vielleicht hätte dies John Cage (1912 - 1992), der amerikanische Komponist für Neue Improvisationsmusik gesagt, wenn er am Samstagabend vor der Stadthalle gestanden hätte. Zu hören gab es dort die Klänge von leeren Bierflaschen und Dosen, die in beachtlichen Mengen auf dem Boden lagen. Beständig von den Füßen der früheren Besitzer angeschubst, vernahm man die reizvollen Geräusche, die Glas und Weißblech auf Asphalt machen - gemischt mit dem Gemurmel eines auffallend jungen, meist männlichen Publikums, das friedlich auf den Einlass wartete, während Flaschensammler emsig ihre Tüten und Kästen mit Leergut füllten.

Und drinnen? Da stehen nach 21 Uhr die „Broilers“ auf der Bühne und werden von einigen Fans mit Wunderkerzen begrüßt. Andere werfen vor Freude ihre noch halbgefüllten Plastikbecher quer durch die Luft. Eine Erfrischung, die all den vielen Männern, die bald mit nackten Oberkörpern heftig Pogo tanzen, zu einem späteren Zeitpunkt besser getan hätte. Aber was soll’s. Auch so vergehen kaum Minuten bis verschwitzte Leiber im Scheinwerferlicht silbrig glänzen.

Ausverkauften Halle

Trotz der hohen Temperatur in der ausverkauften Halle genießt die Vielzahl der begeisterten Fans das Konzert jedoch bekleidet. Meist tragen diese Menschen Schwarz und machen es hiermit den „Broilers“ gleich, deren Bassistin Ines Maybaum sogar ihr vormals blondes Haar im Sinne des aktuellen Albums „Noir“ (Schwarz) nun in dieser Farbe trägt. Dabei präsentiert sich das Quintett ansonsten in einer farbenfrohen Lightshow und auf einer Bühne, die mit ihrem erstaunlich glamourösen Aussehen fast wie aus einer Hotelshow in Las Vegas entliehen ausschaut.

Bloß spielen die Broiles lauten Punk-Rock mit poppigen Melodien, die sich leicht im Ohr festsetzen können. Manchmal erweitert sich das doch recht begrenzte Klangbild, wenn die fünf von einem Trompeter und einem Saxophonisten unterstützt werden, um mit ihnen einen Song wie „Harter Weg (Go!)“ zu spielen. So merkwürdig verschlüsselt auch der Text des Liedes sein mag - immerhin hebt der Song mit seinen Ska-Elementen die Laune, die in der Halle ohnehin bestens ist. Ja, bestens, bis zu dem Moment, in dem sich eine kleine Schlägerei im Publikum entwickelt, die jedoch der Sänger und Gitarrist Sammy Amara mit deutlichen Worten vor der Eskalation bewahrt. Es ist ein durchweg sympathischer Eindruck, den die ungemein kraftvoll aufspielende Band hinterlässt. Und das nicht nur, wenn sich die Broilers offensiv wie in „Eine Nation“ gegen Rechtsradikale wenden. Bloß erscheinen die Ansagen und Kommentare von Sammy Amara selten originell. Vielleicht hat der Düsseldorfer die kleine Truppe von Fans, die sich als Weihnachtsmänner verkleidete, aber auch nur deshalb ignoriert, weil er Karneval hasst. Zum Abschied gibt es dennoch für alle das Lied „Blume“.

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