Dico allein mit Gitarre: Ebenso schön wie zielstrebig

Darmstadt - Von der Schüchternheit, die sie ausstrahlte, als sie vor zwei Jahren im Vorprogramm von Bryan Ferry auf der Bühne der Alten Oper stand, ist nichts mehr zu spüren. Selbstbewusst gibt sich Tina Dico in der Centralstation. VonA. Steinfadt

Und dazu hat die 32-jährige Dänin allen Grund. In ihrer Heimat, wo sie mit ihrem Geburtsnamen Tina Dickow auftritt, gehört sie mittlerweile zu den erfolgreichsten Sängerinnen ihrer Generation. Aber auch hier zu Lande gewinnt die in Århus geborene Singer/Songwriterin an Popularität. Mit ihrem neuen Album „A Beginning, A Detour, An Open Ending“ hat sie neun deutsche Städte bereist. Darmstadt ist die letzte Station. Sie steht vor ausverkauftem Haus.

Ihre spröde, manchmal etwas heiser klingende Stimme ist von einer Klarheit, die mitten ins Herz trifft – bei den leisen Tönen ebenso wie bei mit Nachdruck vorgetragenen Strophen. Sie nimmt gefangen. Genau wie die Texte, die wie Kurzgeschichten angelegt sind, meist geht es um Beziehungen, aber auch um flüchtige Begegnungen. Getragen wird das Ganze von zarten Melodien, denen eine besondere Leichtigkeit innewohnt, obwohl sie Ecken und Kanten haben. Intensiv ist das in Momenten, in denen Tina Dico allein mit ihrer Gitarre in Erscheinung tritt („Ich mag die Jungs, aber manchmal schicke ich sie lieber von der Bühne“). Die Begleitmusiker spielen beide mehrere Instrumente, so dass die Stücke durch Klavier, Trompete, Schlagzeug und Oboe abwechslungsreich ergänzt werden.

Landsmann Dennis Ahlgren ist ein langjähriger Mitstreiter der ebenso schönen wie zielstrebigen Blondine, die mit 23 Jahren beschloss, unabhängig zu bleiben und deshalb ihr eigenes Label gründete. Dem Isländer Helgi Jonsson ist die Sängerin in ihrer Wahlheimat London begegnet, wo sie seit 2002 lebt. Mit ihm hat sie das geheimnisvolle Duett „Walls“ eingespielt, das live eine faszinierende Sogkraft entwickelt. Dico präsentiert eine gelungene Mischung aus neuen Stücken und Songs der Vorgängeralben „In The Red“ und „Count To Ten“. „Beseelt“ ist der treffende Ausdruck für das Gefühl, das ihr Konzert hinterlässt, begleitet von dem Wunsch, der Dänin bald wieder zu begegnen.

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