Veronika Eberle in der Alten Oper

Edle Stradivari in Zwitscher-Laune

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Veronika Eberle war mit ihrer Stradivari in Frankfurt.

Frankfurt - An ausladenden Soli mangelt es nicht im berühmten Violinkonzert von Jean Sibelius (1865-1957). Von Klaus Ackermann

Diese mit raumgreifendem Ton auf der Stradivari, filigraner Technik und emotionaler Hingabe zu erfüllen, war das Gebot der in Frankfurts Alter Oper stark auftrumpfenden Veronika Eberle. Sorgfältig begleitet von der Jungen Deutschen Philharmonie, die bei ihrem Heimspiel von dem impulsiven Dänen Thomas Søndergard dirigiert wurde.

Wie aus weiter Entfernung kommen die Begleitfiguren, den Geigeneinstieg im dauerhaften Pianissimo absichernd, bei dem sich Eberle zu leidenschaftlichem melodiösen Gestus aufschwingt, die seelischen Erschütterungen wie ein Seismograph erfassend. Moll ist die Grundfarbe. Selbst in der virtuosen breit angelegten Kadenz, die immer neue schwierige Entwicklungen birgt. Wieder eine Art klanglicher Tunnelblick: Die romantische Szenerie des Adagios lichtet freilich die Geige etwas auf, deren kantables Schwelgen vom weich unterfütternden Bläserchor gefördert wird.

Viel Beifall für Veronika Eberle

Sogar in Zwitscher-Laune ist Eberles Stradivari beim finalen Tänzchen, das finnische Märchengeister zu beschwören scheint, der Rhythmus hinreißend, aber auch unterschwellig bedrohlich. Bis zum letzten Abriss hohe geigerische Intensität. Da versteht es Eberle sogar, die eher zurückhaltend begleitende Junge Deutsche Philharmonie mitzunehmen. Viel Beifall für die sympathische deutsche Geigerin.

Kein „Auftakt“-Konzert ohne den in dieser Reihe porträtierten Jörg Widmann, dessen „Zweites Labyrinth für Orchestergruppen“ einen langwierigen Umbau benötigt und daher zu Recht an die zweite Stelle im Programm rückt. Schließlich geleitet der zeitgenössische Komponist und Klarinettist in ein Klang-Labor mit Harfen, zwei Klavieren, Zither, der Lauten-nahen Theorbe und Zymbal (beliebtes Zigeuner-Instrument) neben Streichern, Bläsern und viel Schlagwerk, sämtlich wider ihre Natur gespielt. Als gelte es elektronische Musik per Orchesterklang zu erzeugen. Zumindest die mit Lust und Laune agierende Philharmonie kennt den sicheren Aufgang aus Widmanns „Zweitem Labyrinth“: Final gibt’s noch einen heftigen Schlag, als hätte jemand eine Tür eingetreten.

Sachliche Distanz

Die Pause schafft Abstand zum beifällig angenommenen Widmann, doch auch bei Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 f-Moll mit ihren Schicksalsgewalten im machtvollen Trompeten-Motiv, mit fiebrigen Klangvisionen und freudvollen Träumen in einer für Tschaikowsky damals trostlosen Lebenssituation gehen die jungen Philharmoniker eher sachlich auf Distanz, die klangliche Seelenbeichte ebenso nivellierend wie das urgewaltige dramatische Aufbegehren. Es war alles da – von der typisch russischen folkloristischen Anleihe, über das hochartifizielle Pizzicato der Streicher bis hin zum plakativen Bläser-Weckruf in strahlendem Dur. Und dennoch blieb man relativ unberührt.

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