Crosby, Stills & Nash in der SAP-Arena in Mannheim

Ein Egomane und das perfekte Miteinander

Mannheim - Tiefenentspannt. So zeigt sich David Crosby, während er seine Hände in den Hosentaschen vergraben hat und wenige Schritte auf der Bühne umherläuft, um hin und wieder ans Mikrofon zu treten, wo er ein paar Zeilen mit Graham Nash singt - gemeinsam, in vollendeter Harmonie. Von Thomas Ungeheuer

Wenn der Mann mit dem weißen, langen und etwas schütteren Haar nicht eine seiner akustischen oder elektrischen Gitarre spielt, dann übernimmt der Gitarristen Shane Fontayne dessen Parts. Der Engländer, der bei der 2011er Tour von Crosby & Nash noch virtuos Stephen Stills vertreten hatte, hält sich in der gutbesuchten Mannheimer SAP-Arena ganz bescheiden im Hintergrund, wenn diesmal der Meister selbst mit an Bord ist. Sicher könnte der Egomane Stills es auch nur schwer ertragen, wenn jemand aus der Band ihm die Rolle als Gitarrengenie streitig machen wollte.

Und so dürfen denn auch Crosby und Nash ihre Verstärker nie so laut aufdrehen, wie es Stills mit auffallendem Selbstverständnis tut. Wiederkehrend thront der unverwechselbare Sound seiner Stratocaster erhaben über den Klängen des Keyboards (James Raymond), Basses (Kevin McCormick), Schlagzeugs (Steve DiStanislao), der Hammond-Orgel (Todd Caldwell) und eben der Gitarren. Brillant leuchten Stills Töne innerhalb der ausgefeilten Arrangements von Liedern wie „Carry On“, „Almost Cut My Hair“ oder „Wooden Ships“ hervor.

Schon früh am Abend wird hörbar, wie ungemein akzentuiert und präzise Stills spielt - ganz gleich woher die Songs stammen: aus den nicht immer harmonischen Tagen von „Crosby, Stills & Nash“, den diversen Soloprojekten der drei Frontmänner, oder aus frühen „Buffalo Springfield“-Zeiten. Dass das Publikum stets mit heftigem Applaus auf Stills" Soli reagiert und sich dabei nicht selten von den Sitzen erhebt, liegt nahe. Dies schmeichelt jedoch nicht nur dem 1945 geborenen Texaner, sondern auch David Crosby, der wiederkehrend seinen Stolz darüber zeigt, mit einem solchen Ausnahmemusiker spielen zu dürfen.

Bloß gesanglich mag Stephen Stills ihm und Graham Nash nicht mehr ganz ebenbürtig erscheinen. Im Gegensatz zu seinem Gitarrespiel ist Stills Stimme gealtert. Natürlich klingen auch die Gesänge von Crosby und Nash nicht mehr so engelsgleich wie zu den Glanzzeiten der Band in den 1970ern. Dennoch haben sie nichts an Ausdruck, Frische und Wärme verloren. Lediglich einige neue Songs wie „Exit Zero“ oder „Burnin‘ For Buddha“ wirken um einiges weniger kraftvoll, ideenreich und ausgereift- im Vergleich gesetzt zu den Klassikern wie „Teach Your Children“ im vielfältigen, kurzweiligen Repertoire, das die legendäre Band über fast drei Stunden hinweg bot.

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