Eigene Handschrift erkennbar

Offenbach - Zwei Originalklang-Bands des Pop trafen sich im Offenbacher Hafen 2. Beta aus Berlin, Vorgruppe von Cold Cave, beziehen sich auf den deutschen New Wave, die in den späten 70ern entstandene Bewegung, die von Vorbildern aus Großbritannien beeinflusst gewesen ist und so gar nichts gemein hatte mit Nena, Markus & Co. Von Stefan Michalzik

Die vier Musiker von Beta sehen aus wie frisch von einer Abiturfeier gekommen. Ihre historischen Bezugsgrößen heißen DAF und Fehlfarben. Das Zentrum der Gitarren- und Synthieband ist der Sänger, der sich Florian Schaumschlag nennt: Ein Showmann, der Exzess und Coolness überein zu bringen sucht und von der Liebe singt, soweit es zu verstehen ist. Für den Anfang ganz ordentlich.

Drei der vier Musiker stehen hinter Pulten mit elektronischem Gerät: Das erinnert ans Arrangement von Kraftwerk, den Pionieren des Elektropops. Musikalisch werden die aus Philadelphia stammenden Cold Cave mit Joy Division verglichen; den Sänger Wesley Eisold hat der britische „Guardian“ zum „neuen Gott des Nihilismus und der Verzweiflung“ in der Tradition des Joy-Division-Sängers Ian Curtis stilisiert.

Das geht nicht voll an der Sache vorbei. Eisolds mattierter Bariton erinnert tatsächlich momentweise an Curtis. Die frühen The Cure lassen sich als weitere Referenz anführen, ebenso wie New Order, Reinkarnation von Joy Division nach Curtis’ Suizid. Die Musik der mit Synthesizern, Samplern und Schlagzeug besetzten Band ist mitunter technoid und beatlastig. Dann wieder wird gerockt, ohne Gitarren.

Eisold hat in US-Hardcorebands wie American Nightmare und Give Up The Ghost gespielt und Cold Cave als Nebenprojekt gestartet. Allmählich hat sich eine Art Philadelphia-Allstarband hinzugesellt. Neben Chefelektroniker Dominik Fernow zeichnet sich die Keyboarderin und Gelegenheitssängerin Caralee McElroy aus: Sie hat einige Nummern zum 2009 erschienenen Debütalbum „Love Comes Close“ beigetragen.

Eine Songstruktur herrscht vor. Immer wieder öffnet sich die Musik zu fiependen Klängen, die wohlige Schauder erzeugen. So unmittelbar Cold Cave sich auch auf eine Ära beziehen: Es ist ihr Ding, das sie machen, mit ausgeprägter Handschrift. Solange das gelingt, darf man die Popgeschichte plündern!

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