„Ein kultureller Leuchtturm im besten Sinn“

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Das Klingspor-Museum feiert seinen 60. Geburtstag. Bei einem zweitägigen Symposium sind spannende Einblicke in die Schriftkunst garantiert.

Offenbach - Rund einhundert Jahre ist es her, da galt die Stadt Offenbach noch als Hochburg in der Schriftenherstellung. Die dort ansässigen Schriftgießerei der Gebrüder Klingspor gehörte in Deutschland zu den bedeutendsten ihrer Zunft. Von Sebastian Schwarz

Am Leben erhalten wird die Erinnerung an die Erfolgsgeschichte der beiden Brüder vom Klingspor-Museum, das sich den Themen Buch- und Schriftkunst gewidmet hat.

In diesem Jahr feiert das Museum seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass auch veranstaltet das Haus das zweitägige Symposium „Ins Besondere“, das gestern begann. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer außergewöhnlichen lautpoetischen Darbietung der Intonationskünstlerin Theresa Buschmann. Mit ihrer Stimme ließ sie Zahlen, Buchstaben und Klänge der Jahreszahlen des Museums lebendig werden.

„Das Klingspor-Museum ist eine der ersten Adresse in der Welt, wenn es um die lebendige Entwicklung der Schrift- und buchgrafischen Künste geht“, lobte der Offenbacher Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) die Arbeit der Einrichtung. In die Reihe der Gratulanten reihte sich auch der Vorsitzende des Hessischen Museumsverbandes, Thomas Wurzel, ein. „Dieses Museum ist ein kultureller Leuchtturm im besten Sinn“, sagte er.

Einblick in das Thema Buchgestaltung

Einen spannenden Einblick in das Thema Buchgestaltung gab Helfried Hagenberg. „Inhalt und Gestaltung sind wie Zwillinge untrennbar verbunden“, erklärte der Kunstexperte. Die Gestaltung eines Buches unterscheide sich daher von Band zu Band. Bei einem belletristischen Werk sei sie zum Beispiel ganz anders als bei einem Sachbuch. In Anlehnung an den französischen Philosophen Paul Valéry bemerkte er, Bücher seien einerseits eine vollkommene Lesemaschine. Aber sie seien ebenso ein Kunstgegenstand, ein Ding mit einer eigenen Persönlichkeit. Wenig hält der gebürtige Hannoveraner von der Möglichkeit, am Bildschirm ein Buch zu lesen. „Dabei fehlt einfach die magische Faszination des Materials, seine gestalterische Qualität und Verarbeitung“.

Der Erfolg der Schriftgießerei Klingspor ist vor allem mit zwei Namen verbunden: Otto Eckmann und Peter Behrens. Mit ihren Schriften trugen die beiden Künstler wesentlich zum Erfolg des Unternehmens bei. Ihren Lebensweg ließ Kunsthistoriker Rüdiger Joppien in einem aufschlussreichen Vortrag Revue passieren. Besonders zu sprechen kam er auf die drei Schriften, die das Fundament des Klingspor’schen Erfolges bildeten. Im Jahr 1900 erschien die „Eckmann“. „Die Schrift bietet dem Auge einen feinen ornamentalen Reiz“, wusste Joppien. Eckmann habe bei der Gestaltung großen Wert darauf gelegt, Schönheit und Lesbarkeit zu vereinen. Die starren Härten der lateinischen Schrift wollte er unbedingt vermeiden.

Zur selben Zeit, im Jahr 1901, erschien auch Peter Behrens’ erfolgreiche Kreation, die „Behrens“. Sieben Jahre später gelang ihm mit der „Behrens Antiqua“ nochmal ein beachtlicher Erfolg. Das Elektrounternehmen AEG beispielsweise nutzte die „Behrens Antiqua“ für alle Drucksachen. Auch später hatte Behrens noch viel Erfolg als Schriftgestalter. Von ihm stammt die Schriftart des Schriftzugs „DEM DEUTSCHEN VOLKE“, der über dem Portal des Reichstags in Berlin bis heute die Besucher empfängt.

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