Illustres Gesprächskonzert in Offenbachs Johanneskirche

An einem Maiabend im musikalischen Salon

So hätte es sein können: An einem Maiabend lädt Johannes Brahms prominente Freunde ein. Jürgen Blume versetzte sich in Offenbachs Johanneskirche in dessen Rolle und ins Jahr 1885. Er bat seine Kollegen an der Mainzer Musikhochschule, Lutz Dreyer und Konrad Georgi, in die Rollen des Musikkritikers Eduard Hanslick und des Chirurgen Theodor Billroth zu schlüpfen.

Die Vizepräsidentin der Hochschule, Claudia Eder, sprang als Clara Schumann für die verhinderte Isabel Steinbach ein. Dreyer und Georgi leiteten das Gespräch mit vierhändigen Brahms-Walzern ein, Kritiker und Arzt waren gute Musiker. Daran ließ sich eine ästhetische Kontroverse über Programmmusik knüpfen.

In den „Salon“ waren auch Musiker gebeten worden. Seine kompositorischen Prinzipien erläuterte Brahms zunächst an den Intermezzi op. 119, 2 und 3. Christian Maul interpretierte die kühnen, stürmischen, ja atemlosen Stücke mir dem nötigen Temperament.

Clara Schumann lenkt das Gespräch auf die Interpretation. Vorlieben und Abneigungen kommen zur Sprache. Hanslick hebt Mendelssohn, Schumann und Brahms weit über Schütz, Palestrina und Bach. Und erst Wagner! Weder Hanslick noch Billroth können ihn leiden.

Wie Brahms aus einer motivischen Keimzelle arbeitet und die Tradition nicht leugnet, dafür dienen als Beispiele zwei Sätze seiner Cellosonate. Die Cellistin Henrike Becker und die Pianistin Elena Yatzula widmeten sich ihnen leidenschaftlich, mit großer Exaktheit bei der Fuge und mit vortrefflichem Zusammenspiel.

Komponieren heiße, wie ein Architekt zu arbeiten, sagt Brahms; Fundament sei der Kontrapunkt. Clara neckt ihn wegen seiner Behauptung, man müsse Gefühle im Zaum halten. Begleitet von Blume, sang die Sopranistin Henrike Becker sehr ansprechend die Lieder op. 96,2, die „Liebestreu“ op. 3,1, sowie op. 105,1. Das Lied „Salamander“ op. 107,2 zeigte, dass die Kompositionsmittel, die Melancholie ausdrücken, auch Übermut darstellen können. Musik ist eben nicht eindeutig. EVA SCHUMANN

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