An einem Strang

Kaum hatten Vladimir Spivakov und National Philharmonic of Russia Tschaikowskys „Romeo und Julia“ angestimmt, gab’s ein heftiges Donnerwetter, das den Kesselpauker vorübergehend entbehrlich machte.  Von Klaus Ackermann

Erst Arabella Steinbachers nie enden wollendes Melos im berühmten Violinkonzert von Max Bruch schien den Wettergott zu besänftigen.

Philharmonic of Russia scheint prädestiniert für Tschaikowsky – wie der sinfonische Dramatiker für Shakespeares „Romeo und Julia“. Doch in seiner Fantasie-Ouvertüre wird weniger illustriert, eher spiegelt die Musik Empfindungen angesichts des ungeheuerlichen Geschehens. Das beginnt mit einem russischen Choral, enthüllt Dramen-Charaktere und kulminiert im Ohrwurm-Motiv der unsterblich Liebenden. Da fällt die schlanke, durchsichtige instrumentale Anlage auf, ungewöhnlich für russische Orchester, mit denen die Moskauer freilich ihre ungeheure Disziplin verbindet. Alle ziehen an einem Strang – bei verhaltener Leidenschaftlichkeit auch im Bruch-Konzert g-Moll.

Und das ist gut so, der dauerhaften Kantilenen-Süße wegen, die Steinbacher auf ihrer Stradivari erhaben meistert. Das Adagio wird zu einer Sternstunde des Melodischen, auch dank eines Tons, der selbst in Doppelgriff-Akkorden nie an Spannkraft verliert. Hut ab vor der Münchner Geigenfrau, die ein Opus wagt, das jeder Klassik-Liebhaber mitzupfeifen vermag.

Keine Chance hat er da bei Rachmaninows Sinfonischen Tänzen, deren rustikaler Zuschnitt übers instrumentale Raffinement hinwegtäuscht, das an die Grenzen der Tonalität vordringt. Vollbeschäftigung fürs Schlagwerk samt Klavier bereits im Vorspiel. Das Entstehungsjahr 1940 mag für den höllischen Durchzug dieser Endzeit-Musik verantwortlich sein, bei dem nach empfindsamem Holzbläser-Intermezzo mit Saxofon als Leitton die Totenglocke klingt.

Rubriklistenbild: © Pixelio / Segovax

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