Einspringer als Sympathieträger

Offenbach - Die fünfte Saison von Senza Piano endete mit einer Überraschung. Wegen eines Krankheitsfalls trat statt des angekündigten Duos aus Violine und Harfe das Cypress String Quartet auf. Von Eva Schumann

Für die Kammermusikreihe zugleich ein Rekord: die Streicher aus San Francisco waren bislang die weitest gereisten Gäste. Dass sie gerade in Deutschland gastierten, war ein glücklicher Zufall.

Seinen Namen verdankt das Quartett dem Zyklus „Die Zypressen“ von Antonin Dvorak. „Seit sich das Ensemble vor 17 Jahren in diese zauberhafte Musik verliebt hat, kommt es nicht los davon. So begann es auch ihr Offenbacher Programm mit drei Sätzen aus dem Zyklus – und spielte sich sofort in die Herzen des Publikums. Primaria Cecily Ward ließ ihre Stradivari singen, ihr Geigenpartner Tom Stone, der Bratscher Ethan Filner und die Cellistin folgten ihr mit warmem Klang und filigranem Spiel.

Beseelter Ausdruck, bis ins Feinste ausgearbeitete Gestaltung und höchst aufmerksames, lebendiges Zusammenspiel bestimmten auch die Interpretationen der übrigen Werke. Mozarts Streichquartett KV 465 trägt wegen der barocken Vorhalte in der Einleitung den Spitznamen „Dissonanzenquartett“. Das Ensemble milderte mit weicher Klanggebung die Dissonanzen ab und gab der Introduktion einen romantischen Anstrich. Im Kopfsatz spürte es mit sicherer Phrasierung der Klangrede nach, führte einen sanglichen Dialog im Andante, setzte leidenschaftlich das Trio vom Menuett ab. Jeder Satz erschien als Kostbarkeit. In Beethovens f-Moll-Quartett op. 95 gelang den Musikern durch ausgefeilte Themenarbeit, durchdachte Überleitungen, Variierung der Klangfarben und Transparenz beim Fugato eine ausgereifte, genussreiche Interpretation.

Sympathie erwarben sich die Amerikaner durch Publikumsnähe und hilfreiche Erläuterungen, etwa zur italienische Herkunft der Instrumente oder zum „Lento assai“ des 1972 geborenen Kevin Puts, einem der über 30 Werke zeitgenössischer US-Komponisten, die das Quartett in Auftrag gegeben hat. Puts setzt sich mit einem Akkord aus Beethovens Streichquartett op. 135 auseinander. Davon ausgehend, entwickelt sich das Stück über melodische Abschnitte und durch die Stimmen wandernde Kantilenen zu einem polyphonen Teil. Alle finden zum gemeinsamen Thema zusammen, ein Akkord baut sich auf und führt zum Wohlklang-Finale. Die europäische Premiere fand ebenso viel Beifall wie das gesamte Konzert.

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