Tausendsassa Jo Van Nelsen feiert 25. Bühnenjubiläum

Ein einziger Beruf wäre zu langweilig

Mahlzeit! Jo van Nelsen nennt sein Jubiläumsprogramm „Lampenfieber“. - Foto: Rückert

Frankfurt - Wenn ein erfahrener Künstler wie Jo van Nelsen sein Jubiläumskonzert mit „Lampenfieber“ überschreibt, darf man getrost davon ausgehen, dass man hier kein professionell abgespultes Programm voll lähmender Routine präsentiert bekommt. Von Detlef Kinsler

Zumal der gebürtige Bad Homburger, der zum 15. und 20. Bühnenjubliäum ein „Best Of . . . “ schlicht mit Piano realisierte, jetzt von einer vierköpfigen, mit allen Wassern gewaschenen Band begleitet wird.

Ein Novum und „ein lang gehegter Wunsch“, erzählt van Nelsen. „Ich habe schon immer eine große Liebe zum Jazz gehabt und freue mich sehr, dass mich die Vier da so sehr ermutigen, auch in diese Richtung zu gehen.“ Klar, dass sein Repertoire aus dem deutschen Chansonkatalog und dem American Songbook mit Stücken wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“, „My Funny Valentine“ oder „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ so ganz neu und anders klingt.

1989 debütierte er noch als Jochen Bickert am TiK, dem Theater im Keller. Den Jo van Nelsen erfand er ganz schnell, weil er eine klare Grenze ziehen wollte zwischen Bühnen- und Privatperson. Jo, klar, das kam von Jochen, der Nelsen bezog sich - orthographisch leicht verändert - auf einen großen Revuemacher in den Zwanzigerjahre, Rudolf Nelson. „Das van fand ich schön, weil ich zum Holländischen schon immer eine Affinität hatte“, erzählt der Sänger.

Unter neuem Namen nahm die Karriere Fahrt auf. „Es ging ja gleich ziemlich hoch mit mir“, erinnert sich Jo van Nelsen „Ich kam aber nicht auf die Idee, mich als Star zu fühlen. Ich war ja noch völlig verschüchtert, hatte von der Welt noch nichts gesehen, vor allem jedoch glücklich, dass ich machen konnte, was mir Spaß machte.“ Er war clever genug, sich nicht auf nur eine Berufsbezeichnung zu kaprizieren und etwa Chansonnier auf die Visitenkarte zu schreiben. Der Tausendsassa arbeitete als Schauspieler, Moderator, Autor, Kabarettist und Regisseur.

„Ein Manager hätte mich natürlich immer gern in eine Richtung gelenkt, das bin ich aber nicht. Ich langweile mich dann schlichtweg, bin unzufrieden. Deshalb so viele Berufe“, sagt das Multitalent, das seit 2009 als Systemischer Coach sogar Familienaufstellungen anbietet. „Eine spirituelle Ader habe ich seit meinem 15. Lebensjahr. Als ich mit 30 das erste Mal eine Aufstellung für mich gemacht habe, hat sich so viel gelöst.“ Nicht zuletzt erkannte er, warum er einen künstlerischen Weg eingeschlagen hatte.

Fragt man nach den schönsten Erlebnissen aus 25 Jahren Jo van Nelsen, muss das Geburtstagskind nicht lange nachdenken. Die Zusammenarbeit mit der Regisseurin Birgitta Linde fällt ihm sofort ein, „mit ihr das Theatrale in der Kleinkunst auszureizen bis zur Schmerzgrenze“. In Lack und Leder setzte es Hiebe für den Pianisten. „Richtig toll war vor Jimmy Somerville im Cirque d´hiver in Paris aufzutreten mit ,Der Erdbeermund’“, seinem Top-10-Hit mit dem Eurodance-Projekt Culture Beat 1989.

Anfang der Neunziger inszenierte van Nelsen „Ich will. Ein Chansonabend für dich, für mich und für Hildegard Knef“, zu seinen Berliner Auftritten lud er die Diva ein. Sie kam tatsächlich, saß in der ersten Reihe, hörte sich eine biographische Solorevue über ihr Leben an und honorierte das auch noch. Ein großer Moment für van Nelsen. „Das war die erste Begegnung von mehreren. Wir haben dann zum Beispiel noch mal beim Hessischen Rundfunk ,Holgers Waschsalon’ zusammen gemacht. Es war eine gegenseitig sehr liebevolle, wertschätzende Bekanntschaft.“ Ihre Lieder werden neben denen von Hollaender, Mackeben und Kreisler immer einen Platz in seinem Herzen haben.

‹ „Lampenfieber - das Jubiläumskonzert“ am 25. Januar um 20 Uhr im Neuen Theater Höchst. Karten gibt es unter s 069 33 99 99 33

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