Mit Eleganz und Leichtigkeit

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Seligenstadt - Beim 16. Streicherfestival in Seligenstadt überraschte das Henschel-Quartett wieder einmal mit einem weniger bekannten Werk. Von Eva Schumann

Die „Fünf Stücke für Streichquartett“ von Erwin Schulhoff waren eine spritzige Ouvertüre, die darüber hinweg tröstete, dass wegen des unbeständigen Wetters das erste Konzert nicht draußen im Kreuzgang stattfinden konnte. Gewidmet dem Kollegen Milhaud, spiegelt die kleine freche Suite ganz köstlich den Geist der Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Ironisch zitiert der Komponist Wiener Walzer, Serenadenschmelz, tschechische Folklore, Tango und Tarantella. Mit einer fulminanten Interpretation brachten die Henschels den Witz und die vielfältigen Rhythmen prägnant zur Wirkung , wobei Cellist Mathias Beyer-Karlshøj als vor Temperament sprühender Rhythmusgeber besonders auf seine Kosten kam.

In Mozarts spätem Es-Dur-Streichquintett hingegen geben die Bratschen häufig den Ton an, trotz Gleichberechtigung der Stimmen. Lena Eckels, Bratscherin des Amaryllis-Quartetts, das die Henschels als Gast-Gruppe eingeladen hatten, harmonisierte in dieser Partie vortrefflich mit Monika Henschel-Schwind und fügte sich insgesamt gut ins Team. Die Führung übernahm hier Daniel Bell, seit zwei Jahren Mitglied des Henschel-Quartetts. Unterschiede in Stil und Temperament sind noch bemerkbar, dennoch hatte man bei dem anmutigen Mozart-Werk, das offenbar Bell besonders lag, zur Gemeinsamkeit gefunden. Das Ensemble musizierte das Quintett mit Eleganz und Leichtigkeit, ohne die Chancen zu versäumen, Kontraste deutlich herauszuarbeiten. Es gab dem Andante gravitätischen, dem Menuett eher aufmüpfigen Charakter und stellte auch die thematischen Gegensätze des heiteren Fugen-Finales klar heraus. Die Gruppe führte ein vergnügliches, quicklebendiges Gespräch.

Das galt auch für Beethovens C-Dur-Streichquartett op. 59, das dritte der Rasumowsky-Quartette. Bei diesem schwierigen Werk zeigte sich erst recht die technische Brillanz und gestalterische Souveränität des Henschel-Quartetts. Es ging die oft widerborstige Musik voller Dynamik an, setzte Klangfarbenwechsel ein, hielt bei allen Abbrüchen und Wiederholungen die Spannung, erzielte eine ständige Steigerung und stürzte sich so transparent wie furios in die rasante Schluss-Fuge. Der Beifall war entsprechend stürmisch. Das Seligenstädter Stamm-Ensemble bedankte sich mit einer tänzerischen und süffigen Zugabe, dem letzten Satz aus Dvoraks Amerikanischem Quartett.

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