Empirical in Frankfurt

Jazz-Evolution

Frankfurt - Das junge Jazzquartett Empirical wurde nach seiner Gründung 2007 alsbald als die neue große Hoffnung des britischen Jazz gefeiert. Von Sebastian Hansen

In der Zwischenzeit hatte die Band zwei Umbesetzungen zu verzeichnen, musikalisch produktivitätsmindernd haben sie sich offenkundig nicht ausgewirkt.

Empirical, die zum Abschluss der Jazzreihe im Park des Frankfurter Museums für Angewandte Kunst gastierten, verwandeln sich Be- und Hardbop in einer Weise an, die Anspruch auf Zeitgenossenschaft zu erheben vermag. Bei aller historischen Sättigung vermag die Musik Originalität zu behaupten.

Die Stücke von Empirical zeichnen sich durch eine ungemeine Frische aus. Zwar ist die Rolle des Altsaxofonisten Nathaniel Facey durchaus exponiert, gleichwohl ist das hierarchische Gefälle im Ensemble weitreichend aufgehoben. Das Gros der Kompositionen geht auf den Bassisten Tom Farmer zurück, einige Beiträge stammen vom Vibraphonisten Lewis Wright.

Nathaniel Faceys Ton auf dem Saxofon ist ausgesprochen prall; er macht den Eindruck eines Heißsporns, der sich eine Spur zurücknehmen muss. Lewis Wright bildet mit seinem filigranen Spiel und den irisierenden Glissandi ein kontemplatives Gegengewicht. Shaney Forbes durch ungerade Rhythmen gekennzeichnetes Schlagzeugspiel treibt bisweilen druckvoll vorwärts, dann wieder verströmt es eine schwebende Leichtigkeit. Die Klarheit der musikalischen Texturen ist bestechend. Seit Jahrzehnten schon lebt der Jazz nicht mehr von den großen stilistischen Umwälzungen. Eine Entwicklung findet gleichwohl statt, in evolutionärer Form – Empirical sind ein Musterbeispiel dafür.

Rubriklistenbild: © Strichcode/Pixelio

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