Ende einer langen Reise

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Obwohl gesundheitlich angeschlagen, verausgabt sich der 65-Jährige auf seiner Abschiedstournee bis zur Erschöpfung.

Frankfurt - Es waren bewegende Momente, als sich Meat Loaf weinend und mit bebender Stimme von seinen Fans in der Frankfurter Festhalle verabschiedete. Von Oliver Signus

„Nicht mein Name oder der von Jim Steinman sollte auf der Platte stehen, es müssten Eure sein“, sagte der 65-Jährige bei seinem Gastspiel vor rund 7 500 Besuchern. Mit „die Platte“ meinte er „Bat Out Of Hell“, das von Steinman komponierte und 1977 erschienene Werk. Es verkaufte sich millionenfach, verhalf beiden Künstlern zu Weltruhm und verband ihre Namen untrennbar miteinander.

So stand die Fledermaus selbstverständlich im Mittelpunkt der „Last At Bat Farewell Tour“, Frankfurt war die erste Station in Deutschland. Mit den Stücken „Running For The Red Light“ aus „Welcome To The Neighbourhood“ und „Life Is A Lemon And I Want My Money Back“ aus dem 1993 erschienenen „Bat Out of Hell II: Back Into Hell“ eröffnete Meat Loaf den knapp zweieinhalbstündigen, von einer Pause unterbrochenen Auftritt. Dabei wurde früh deutlich, warum der Begriff Abschiedstournee – im Gegensatz zu vielen anderen alternden Stars – bei Meat Loaf wohl keine leere Floskel ist. Sichtlich gesundheitlich angeschlagen mühte sich der Rockstar, benötigte immer wieder kleine Pausen, die seine Duett-Partnerin Patti Russo perfekt füllte. Gelenkbeschwerden erschweren das Gehen, zitternde Hände wie bei Parkinson-Patienten zeugten von großer Anstrengung, die der 1947 als Marvin Lee Adair geborene Sänger aufbrachte, um die kraftraubenden, oft sieben, acht Minuten langen Stücke über die Zeit zu bringen.

Auch die Stimme, die einst problemlos vier Oktaven umfasste, ist längst dünner geworden, kann vielen Liedern nicht mehr die Dynamik früher Aufnahmen verleihen. So ist die Stimmung anfangs verhalten, bis zur ersten Auszeit nach 50 Minuten kommt es kaum zu Höhepunkten. Lediglich bei den opulenten Kompositionen Jim Steinmans, wie „Objects In The Rear View Mirror“ kommt Bewegung in die Massen.

Ganz anders dann der zweite Teil des Abends, der im Zeichen des größten Erfolges steht. Zum Titelsong „Bat Out Of Hell“ erhebt sich eine überdimensionale Fledermaus aus dem Fegefeuer, entfaltet ihre riesigen Flügel über der Bühne, um mit den letzten Takten des Liedes wieder im Erdboden zu versinken.

Meat Loaf singt das gesamte Werk, wobei jedes einzelne Stück von Videoeinspielungen unterbrochen wird. Musikalische Weggefährten wie Produzent Todd Rundgren oder Sängerin Karla DeVito erinnerten sich an die Arbeit an „Bat Out Of Hell“. Schnipsel aus alten Auftritten sind zu sehen, als Meat Loaf, heute nur noch leicht übergewichtig, sich dermaßen verausgabte, dass sein drei Zentner schwerer Körper sich unter dem Sauerstoffzelt erholen musste.

Er singt vor allem die Balladen „Heaven Can Wait“ und „For Crying Out Loud“ mit einer Intensität, die für andächtige Stille im weiten Rund sorgt und manchen stimmlichen Makel verzeihen.

Es war nicht die traurige Show eines alten Rockstars, dem das Loslassen schwer fällt. Sich seiner Grenzen sehr wohl bewusst, inszenierte Meat Loaf den Auftritt entsprechend, hatte mit Patti Russo eine geniale Partnerin an seiner Seite und schloss gemeinsam mit seinen treuen Fans ein Kapitel, das ihm einen unumstrittenen Platz in der Rockgeschichte beschert hat.

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