Mal energiereiche, mal engelhafte Töne

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Saitenkünstlerin Ruppik

Offenbach - Ruppig war, was Harfenistin Jenny Ruppik in Rumpenheims Schlosskirche bot, keineswegs. Ihre bemerkenswerte Interpretation romantischer bis postromantischer Musik zeitigte neben energiereichen Akkordsequenzen engelhafte Arpeggiaturen und Glissandi. Von Reinhold Gries

Zauberhaft Gabriel Piernés Impromptu-Caprice, impressionistischen Feinschliff mit französischem Lyrismus verbindend. Dramatische Klangballungen verflüchtigten sich zu getupfter Poesie. Von ähnlichem Gestus das Impromptu Des-Dur Gabriel Faurés. Sein Fluss begann mit feinen Rinnsalen und glitzernden Bächlein, mäandrierte und pulsierte dann, schließlich rauschende Strudel in breitem Coda-Strom beruhigend.

Ähnlich meisterhaft die Darbietung von Louis Spohrs romantischer Fantasie c-moll. Feine Eleganz mischte sich mit rhythmischer Dynamik, kraftvoll Pianistisches mit Gitarreneffekten in spanischem Gestus. Ruppiks atemberaubende Arbeit an sieben Pedalen wetteiferte mit ihren flinken Händen, welche die 47 Saiten durchmaßen. Behende Wechsel von Streichen und Staccato verblüfften.

Introduction, Cadenza e Rondo von Elias Parish-Alvars machte anschaulich, warum Ruppik Preise gewinnt. Die Figuren dieses „Liszt der Harfe“ brachten schönste Modulationen, raffinierte Echoeffekte, feine Trillerketten und vielstimmiges Auf und Ab.

Auch im barocken, modernen und keltischen Fach ist die Neu-Frankfurterin zu Hause. Georg Friedrich Händels Konzert B-Dur op. 6/4 führte in höfische Musikkultur. Warum der Meister seine ohrwurmartige Urfassung zu Orgelkonzert und Concerto grosso umarbeitete, machte Ruppiks virtuoses, jederzeit transparentes Spiel glaubhaft.

Nie ausufernd geriet das 2009 geschriebene Lamento von Bernard Andrés. Dem schwermütigen Charakter des halsbrecherischen Stücks gewann die Künstlerin immer neue Seiten ab, Rhythmus und Betonung so geschickt setzend, dass die Dissonanzen nie falsch klangen. Nachdem sie vertrackte Effekte saitenweise austanzte, wollte mancher sie nach der altenglischen „Greensleeves“-Ballade als herbeigeklatschter Zugabe gar nicht gehen lassen...

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