Enorm vitaler Oldie

Ein Idyll, wie aus dem Bilderbuch: Über Ochsenfrösche an den Ufern des Mississippi, den alten Raddampfer Proud Mary und wie das Leben sich so gestaltet für einen jungen Burschen, der im sumpfigen Bayou von Louisiana geboren ist, singt John Fogerty seit mehr als vierzig Jahren. Von Ferdinand Rathke

Und keiner verübelt dem für seine mittlerweile 65 Jahre erstaunlich gut erhaltenen Sänger, Gitarristen und Komponisten aus Kalifornien, dass er über den so eindrucksvoll beschriebenen Landstrich Amerikas ebenso wenig Ahnung vorweisen kann, wie einst der immer mal wieder im Gefängnis einsitzende Karl May über die Schauplätze seiner Abenteuerromane.

Den mehreren tausend Besucher, meist jenseits der Fünfzig, die sich bei strahlendem Sonnenschein im nicht minder idyllisch gelegenen Mainzer Volkspark vor gigantischer Open-Air-Bühne einfinden, scheint fehlende Authentizität wenig bis gar nichts auszumachen. Hauptsache, der Held ihrer Jugend rockt in Begleitung seines Sextetts Blue Ridge Rangers ordentlich ab mit nach vier Dekaden noch immer zündenden Hits wie „Have You Ever Seen The Rain“, „Down On The Corner“ und „Fortunate Son“.

Als hätte er die ewige Jugend gepachtet

Ordentlich bei Stimme ist John Fogerty, rasant Gitarre spielen kann er auch, noch immer auf permanent wechselnden Modellen. Den Rest übernimmt ohnehin seine erstklassige Formation, die Creedence Clearwater Revival, mit denen Fogerty seit Jahrzehnten nicht mehr spricht, locker in die Tasche stecken kann.

Überhaupt vermittelt der bodenständige Typ in Jeans und Karohemd den Anschein, als hätte er die ewige Jugend gepachtet, wenn er auf der Bühne wie ein frisch gebackener High-School-Absolvent umher tollt und sich zwischen den Songs mit den Fans unterhält, als wäre er mit jedem einzelnen eng befreundet. Perfektes amerikanische Kumpel-Entertainment eben, wie es auch Bruce Springsteen oder John Mellencamp drauf haben. Doch nicht wenigen im Publikum schwirrt durch den Kopf, dass John Fogerty zugunsten weiterer CCR-Hits dazwischen gestreute Oldies wie Rick Nelsons „Garden Party“, Eddie Cochranes „Summertime Blues“ oder den Folk-Traditional „Midnight Special“ einfach beiseite schieben sollte.

Rubriklistenbild: © Pixelio / Lizzy Tewordt

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