Frankfurt Jazz Big Band um Wilson de Olivera eröffnet 50. Saison der Konzerte im Palmengarten

Ensembleklang fabelhaft kultiviert

Die Frankfurt Jazz Big Band, die zur Eröffnung der Saison des 50. Jubiläums der Reihe „Jazz im Palmengarten“ spielte, ist eines der wenigen freien Jazzorchester. Vor 22 Jahren wurde sie von dem Schlagzeuger Thomas Cremer und dem langjährig auch zu den prägenden Protagonisten der hr-Bigband gehörigen Saxofonisten, Leiter, Komponisten und Arrangeur Wilson de Olivera gegründet.

Die Erneuerung des orchestralen Jazz war von Anbeginn an Programm, analog zu den Entwicklungen in den führenden Rundfunk-Bigbands. Die Schubkraft der beiden Initiatoren Cremer und de Olivera sorgte für Dauerhaftigkeit auf einem Niveau, das keine Vergleiche zu scheuen braucht.

Einen zentralen Strang im Wirken bildet die Beschäftigung mit dem musikalischen Reichtum des lateinamerikanischen Kontinents. Die Koordinaten kommen nur zum Teil aus den beiden Amerikas. Europäische Kunstmusik des frühen 20. Jahrhunderts in Gestalt von Komponisten wie Béla Bartók, Leos Janacek und Igor Strawinsky spielt dabei eine ebenso große Rolle wie der musikalische Impressionismus eines Claude Debussy und dessen Wirkung im Werk von Isaac Albéniz und Manuel de Falla.

Der grandiose, wie de Olivera aus der uruguayischen Metropole Montevideo stammende Gastsolist Enrique Tolleria an Bandoneon trug den durch eine langjährige Zusammenarbeit beglaubigten Einfluss des Tango-Erneuerers Astor Piazzolla ein. Und das mit einem ausgeprägten Stilwillen, der ihn aus den Schatten des Großmeisters heraustreten lässt.

Wilson de Olivera selbst, bekannt als Tenorsaxofonist mit einem kräftigen, von John Coltrane geprägten Ton, spielte einen lyrisch expressiv aufgeladenen Solopart. Auf den 63-Jährigen gehen auch etliche Stücke wie „Candome“ zurück. Günter Lenz’ „Subtone Bells“ war als Bläserchoral zu hören. Aneignungen von Kompositionen aus dem Repertoire von Bob Mintzer und Clare Fischer verweisen auf die fruchtbare Phase des Latinjazz in den 70er Jahren.

Der Ensembleklang ist fabelhaft kultiviert. Solisten wie der Trompeter Joe Gallardo und Jürgen Neefelder, Tenorsaxofon, zeugen von improvisatorischen Qualitäten. Harmonische Raffinesse, differenzierte rhythmische Kraft, eine bisweilen beschwingte Leichtigkeit, dann wieder elegische Stimmungen sorgten für eine Vielgesichtigkeit des Klangbildes. S. MICHALZIK

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare