Episoden aus der Vorstadtwelt

Als Mitglied der Talking Heads arbeitete David Byrne Ende der 70er Jahre mit einem fiebrigen, vom Funk infizierten Sound an einer Weiterentwicklung des zuletzt erstarrten Modells Rock. Es waren die Wirrnisse eines Daseins in der Vorstadt, von denen Byrne kündete, in seiner tolpatschigen Art. Wahrhaftige Avantgarde wollten die Talking Heads nie sein. Eher einen Stachel in den Mainstream setzen.

„Songs of David Byrne & Brian Eno“ annonciert die Tournee zum Ende vergangenen Jahres erschienenen gemeinsamen Album „Everything That Happens Will Happen Today“, die den ohne Eno reisenden Byrne in die Frankfurter Alte Oper führte. Eno, zunächst Mitbegründer von Roxy Music und später Erzvater des Genres Ambient, drang bald als Produzent in den Kosmos der Talking Heads ein. Eine Zusammenarbeit, die zunächst gute Früchte trug. Im Nachhinein aber erwies sie sich als der Beginn eines Zersetzungsprozesses: Byrne und Eno sonderten sich ab und stellten den Rest der Band vor vollendete Tatsachen.

Die neuen Songs, die den ersten Teil des Frankfurter Konzerts bestimmten, bleiben brav auf Linie. Keine Spur einer Irritation. Schon Cover und Booklet zum Album zeigen Bilder vom klassischen amerikanischen Einfamilienhaus: Byrne ist seinem angestammten Motiv einer soziologischen Betrachtung der Mittelschicht treu geblieben. Mit nicht auch nur einer einzigen Nummer nimmt das Konzert Bezug auf die erste Byrne/Eno-Platte „My Life In The Bush Of Ghosts“ von 1981, auf der geräuschhafte und zum Teil aus ethnischen Musiken rührende Versatzstücke zu Tanzmusik gefügt wurden, die den Song als Form an seine Grenzen führte. Den Novitäten von Byrne und Eno aber ist nichts Neues eigen. Nahtlos schließen sie an die Soloalben Byrnes an. Die aber sind seit jeher davon gekennzeichnet, dass hinter der gehegten Ambition das tatsächliche Vermögen weit zurück blieb.

In der Mitte des Konzerts nahm Byrne die Kurve zu einer Auswahl der Greatest Hits aus der Zeit mit den Talking Heads. Die waren es, die beim Publikum am meisten verfingen in ihrer Tanzbarkeit. Das ist kein gutes Zeugnis für die neuen Hervorbringungen, die in der Tat in nichts über das hinausgehen, was Popstars sich nach Ablauf ihrer großen Zeit so abzuringen pflegen. Für eine solide angerichtete Präsentation – mit einem Tanztrio, das Byrne und die Backgroundsänger mitunter mit einbezieht – ist der heute 56-jährige Grauschopf durchaus noch gut. Mit leidlich verzichtbaren Unneuigkeiten selbst den Anheizer für die eigene Oldieshow zu geben, das sollte einem dann aber doch zu wenig sein. S. MICHALZIK

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