Erfüllte Träume

Dream Pop lautet die Charakterisierung, die der Musik von A Sunny Day in Glasgow vorauseilt. Das kurzlebige Genre war Ende der 80er Jahre in London entstanden. Wichtigste Vertreter dieser Mischung aus dem Postpunk und der Ambientmusik von Brian Eno waren My Bloody Valentine. Von Stefan Michalzik

A Sunny Day in Glasgow präsentierten sich bei ihrem Konzert im Offenbacher Hafen 2 in überraschend rockiger Gestalt. Freilich handelt es bei den Hervorbringungen des jungen Sextetts aus Philadelphia nicht um Rock in der klassisch-konservativen Ausformung. Rock bildet vielmehr den Kern einer erfrischend unbeschwerten Popmusik, die an die New Wave der Zeit um 1980 anschließt.

Im Zentrum der Band stehen die Sängerinnen Annie Fredrickson und Jen Goma. Das Klangbild ist unverschämt drall. Gitarren dominieren. Synthesizer und Samples spielen eine prominente Nebenrolle. Der musikalische Kopf, der für die Samples zuständige Gitarrist Ben Daniels, hält sich weitgehend im Hintergrund.

Ein fröhliches, aufgeräumtes Trüppchen

Eine gewisse Kluft zwischen den Studioaufnahmen und den Liveauftritt der 2006 gegründeten und seitdem mehrfach umbesetzten Band tut sich auf. Die Einspielungen, 2009 erschien das zweite Album „Ash Grammar“, weisen eine deutlichere Nähe zum historischen Dream Pop auf. Ein Schleier von Melancholie liegt über der Musik, indes keine grüblerische Schwermut; die Synthies treten prägnanter in Erscheinung.

Auf der Bühne präsentierten sich A Sunny Day in Glasgow als fröhliches, aufgeräumtes Trüppchen. Man könnte meinen, es gehe gar nicht um Träume, die Band künde vielmehr von einem Zustand der Erfüllung. Der Melancholiegehalt ist auf die Texte reduziert. A Sunny Day in Glasgow verströmen den Charme einer beherzten Amateurband. Der Name geht auf den Umstand zurück, dass Ben Daniels einige Jahre in der schottischen Hafen- und Industriestadt gelebt hat. Er lässt sich aber auch metaphorisch lesen – im Sinne der Verbreitung von Lichtstrahlen in einer tristen Welt ...

Kommentare