Mozart sorgt für Harmonie

Unbeirrt von europapolitischen Umtrieben leitete Claudio Abbado das Konzert des in Bologna ansässigen Orchestra Mozart.

Frankfurt - Draußen Polizisten hinter einer großräumigen Absperrung, drinnen unauffällige Herren, auffällig um Sicherheit besorgt. Einer Festung glich die Alte Oper zum Eröffnungskonzert der Kulturtage der Europäischen Zentralbank (EZB). Von Klaus Ackermann

Schließlich waren demokratisch legitimierte Häupter angesagt, die am Nachmittag nicht nur EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verabschiedet hatten, sondern so nebenbei auch wieder einmal den Euro zu retten versuchten. Mit Kanzlerin Angela Merkel an der Spitze, die immerhin eine Konzert-Halbzeit blieb.

Unbeeindruckt von diesem Auftrieb an Politikern und Hochfinanz blieb dagegen Weltklasse-Dirigent Claudio Abbado, der dem europäischen Gedanken in Werken von Rossini, Mozart und Mendelssohn Bartholdy zuspielte, wie er für Italien, in diesem Jahr Gastland der Kulturtage, eine Lanze brach. Dabei mit dem Orchestra Mozart, einer Formation erfahrener Musiker und junger Talente aus aller Welt, eines der vielen von ihm nachhaltig geprägten Ensembles ins Rampenlicht rückend. Stammsitz des vor sieben Jahren gegründeten italienischen Orchesters ist Bologna, wo der gerade 14-jährige Mozart 1770 sein Komponisten-Diplom „Maestro compositore“ erlangte.

Schon Rossinis Ouvertüre zur Oper „Der Barbier von Sevilla“ scheint von einem Sterne-Koch musikalisch abgeschmeckt, rhythmisch leichtfüßig, die Ohrwurm-Melodien elegant und flüssig und das Ganze von gläserner Klarheit, ein ranker, schlanker Orchesterklang, der dynamischen Spitzen entsagt und angelegentlich betörende Süße einbringt.

Auftakt nach Maß

Besonders ins Zeug legt sich die unverbrüchliche orchestrale Einheit bei ihrem Namensgeber, dessen Haffner-Sinfonie Nr. 35 D-Dur dem Salzburger Stadtoberhaupt gewidmet war. Das Hauptthema aus Oktavsprüngen und Trillerketten, zur Mozart-Zeit eine sinfonische Ungeheuerlichkeit – Abbado bringt’s dennoch klanglich unter einen Hut, schafft im zwingend deklamatorischen Hin und Her Hochspannung. Wie eine fein ausgesungene Serenade wirkt das Andante, dem ein Menuett in maßvollen Schritten folgt, dessen Trio zum handfesten Ländler gerät. Straffe Tempi im Finale bei schroffen dynamischen Kontrasten, selbst die Kontrabässe mit ihren Sechzehntel-Figuren scheinen hier federleicht, ein Mozart mit Finesse.

Die sorgt auch bei Mendelssohns „Italienischer Sinfonie“ Nr. 4 A-Dur für Behagen, deren leuchtkräftige Farben südliche Sonne bezeugen. Dazu strahlende und entsprechend haftende Dur-Themen, nie laut, aber umso nachhaltiger. Ein nordisches Lied scheint sich ins Andante con moto verirrt zu haben, während der fein artikulierte, nahezu drucklos gespielte Hornruf im Moderato an Schuberts romantische Welten gemahnt. Erst der Saltarello, im aberwitzigen Tempi absolviert, führt direkt ins italienische Menschenleben, pfiffig aufgezäumt, aber dennoch in den dynamischen Werten so verbindlich wie gehabt. Den Reigen schöner italienischer Geister beschließt Rossinis Ouvertüre „Eine Italienerin in Algier“ als Zugabe.

Ein Auftakt nach Maß also der EZB-Kulturtage, bei dem Abbado und das Orchestra Mozart klanglich apostrophieren, was Europa derzeit fehlt – die Harmonie.

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