Erstaunlich vielseitige Jazz-Göttin

Frankfurt - Meisterlich stemmt Diana Krall den Spagat zwischen zwei Welten: Einerseits Mutter und Hausfrau, andererseits verruchte Jazz-Göttin mit dem gewissen Extra. Beide Seiten präsentiert die 44 Jahre alte Kanadierin beim nahezu ausverkauften Gastspiel in der Frankfurter Alten Oper. Von Ferdinand Rathke

Im klassischen schwarzen Cocktailkleid und auf hohen Stilettos schlendert die große Blonde auf eine in irisierende Farben getauchte schmucklose Bühne. Tadellos der Auftakt mit einem sämtliche Register ziehenden Instrumental, das geschmackvoll die virtuosen Fähigkeiten von Gitarrist Anthony Wilson, Stehbassist Benjamin Wolfe und Schlagzeuger Karriem Riggins unterstreicht.

„Let’s Fall In Love“ fordert sie hernach mit einem Klassiker aus der Feder von Cole Porter – eine Ballade, die den Titel ihres aktuellen Werks „Quiet Nights“ konsequent im Zeitlupentakt umsetzt. Doch das mehrheitlich akademische wie seltsam unterkühlt wirkende Publikum schenkt Liebesbeweise nur auf spärliche Weise. Zwar werden solistische Glanzleistungen mit Zwischenapplaus bedacht, aber insgesamt herrscht kontrollierte Zurückhaltung, wenn die zweifache Grammy-Preisträgerin Klassiker zwischen Jazz und Bossa Nova wie „Cheek To Cheek“, „Boy From Ipanema“ und „Let’s Face The Music And Dance“ mit fast schon verschrobener Eigenwilligkeit interpretiert.

Gelöster wirkt die Atmosphäre stets dann, wenn Diana Krall versonnen ins Plaudern gerät. Dann erzählt die Künstlerin ausufernd über Kindheit und Jugend in hochmusikalischem Familienumfeld. Noch mehr zu Herzen geht, wenn die Band-Chefin von ihren Zwillingen Dexter und Frank berichtet, die Mama auf Tournee begleiten und bei der Gelegenheit auch nicht vergisst, ihren Ehemann, den Sänger und Komponisten Elvis Costello, zu erwähnen. Ihm widmet sie den wohl schönsten Song: „I’ve Grown Accustomed To Her Face“ aus dem Musical-Dauerbrenner „My fair Lady“.

Rubriklistenbild: © op-online

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