Ein Erzähler und Hippie im Geiste

Der in Amsterdam lebende Engländer Jack Stafford hat 2006 mit seiner Partnerin, der Belgierin Jasmin Wynants, unter dem Albumtitel „Long Live Love“ eine Sammlung von Lobliedern auf das schönste aller Gefühle veröffentlicht.  Von Stefan Michalzik

Wie man aber weiß, ist Liebe nicht immer von Dauer. Für das Freiluftkonzert auf der Wiese des Offenbacher Hafen 2 anlässlich der Tage der Industriekultur waren Jasmin & The Jack Stafford Foundation angekündigt. Auf der Bühne stand indes Jack Stafford allein.

Um Liebe ging es in den Songs des Konzerts denn auch weniger. Es sind eigene Erlebnisse und Eindrücke, die Stafford in Songs fasst. So erfahren wir, dass er ein Muttersöhnchen gewesen ist und dass seine Sammelleidenschaft mit der Größe der Wohnung wächst, dergestalt, dass schließlich das Nomadentum den einzigen verlässlichen Ausweg darstellt.

Zum Glück ist Stafford alles andere als eine wehleidige Type. Selbst wenn das lyrische Ich von der realen Person künden mag, droht eine peinliche Entblößung nicht. Da ist Staffords Humor davor. Er ist ein Geschichtenerzähler, der auf der langen Linie Woody Guthrie als einen seiner Ahnen zitieren kann. Stafford kündet von verlorenen Stadtmenschen in Amsterdam, von hyperaktiven Kindern, von seinen Vorbehalten gegen das Alterswerk Woody Allens und – ironisch – von den Freuden des Arbeitslebens.

Die simple Strickart seiner Lieder samt ihrem Witz erinnern bisweilen an Jonathan Richman. Staffords im Konzert einzig mit der akustischen Gitarre begleitete, für die Einspielungen üppiger arrangierte Songs folgen der Satzmelodie. Die Musik transportiert den Text ebenso schlicht wie wirksam.

Im Publikum mischten sich Jung und Alt. Ein Familienkonzert mit Laufkundschaft. Und siehe: Auch die Woodstock-Generation vermag eine ganze Menge mit den unhippiesk gestylten Neofolks vom Schlage Staffords anzufangen – wenn es sie nur einmal zu Gehör bekommt. Klingt ein bisschen wie Donovan, raunt ein älterer Herr aus der For ever-Young-Ära. Und es ist ja im Prinzip das gleiche Ding mit einer anderen Haltung und zeitgemäßeren Mitteln. Also eben doch nicht mehr ganz das gleiche. The Times, They Are A-Changing.

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