Eros Ramazzotti in der Frankfurter Festhalle

Eros Ramazzotti: Der ewig smarte Römer

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Eros Ramazzotti

Frankfurt - Einen schönen Menschen kann nichts entstellen. Nicht mal ein an den Schläfen viel zu kurz geratener Haarschnitt, der ans Militär erinnert. Das und noch einiges mehr beweist Eros Ramazzotti am 4. Mai den Fans bei seinem Konzert zum aktuellen Album "Noi" in der Festhalle. Von Anke Steinfadt

Ein aufwändiges Outfit benötigt er nicht. Jeans und schwarzes T-Shirt mit „Noi“-Schriftzug und deutschem Wappen auf der Brust reichen vollkommen, um Eros Ramazzotti gut aussehen zu lassen.  Im Oktober feiert der in Rom geborene Sänger seinen 50. Geburtstag. Die grauen Schläfen tun seinem Sex-Appeal keinen Abbruch, ganz im Gegenteil.

„Noi“ („Wir“) heißt sein aktuelles, mittlerweile zwölftes Album und ist Motto der großen Europatournee. Live ist das Wir-Gefühl Programm.

Fans feiern ihr Idol

Die Frankfurter Festhalle steht unter Strom von dem Moment an als der Sänger pünktlich um 20 Uhr die Bühne betritt. Zuneigung und Begeisterung der Fans sind riesig, die gesamten zwei Stunden lang. Die Fans feiern ihr Idol von der ersten Reihe im Innenraum bis zu den oberen Rängen. Klatschen, mitsingen, tanzen, mit grün-weiß-roten Flaggen wedeln, „Eros“ rufen, fotografieren, filmen und mit viel Glück ein Handtuch ergattern, ein T-Shirt oder eine angebrochene Flasche Wasser, die der Sänger im Laufe des Abends ins Publikum wirft.

Eros Ramazzotti live – das ist eine rockige Angelegenheit mit unerwartet geringem Schmachtfaktor. Selbst eine bekannte Schmuse-Nummer wie „Se bastasse una canzone“ kommt rhythmisch aufgepeppt daher. Bei anderen Stücken mischen Jazz, Funk und sogar Latin-Elemente die Urversionen auf. Everett Harp am Saxophon und Kirk Fletcher an der Gitarre sorgen für ordentlich Dampf, auch bei einer instrumental ausgeschmückten Version von „Musica E“.

24 Stücke und 7500 Fans

7500 Fans sind gekommen, um den seit Mitte der 80er Jahre populären Italiener hautnah zu erleben. Er bietet neben seiner unverwechselbaren Stimme und guter Tonqualität allerhand. Mit großer Lässigkeit präsentiert er, begleitet von einer insgesamt zehnköpfigen Band, mehr als zwei Dutzend Stücke, etwa ein Viertel vom neuen Album, im Rahmen einer pompösen Bühnenshow. Mehrere Leinwände und bewegliche LED-Module werden bespielt. Jede einzelne Vorstellung koste rund 140 000 Euro, verriet Italiens Popstar Nummer Eins in einem Interview.

Sparsam fällt die verbale Interaktion mit dem Publikum aus. Ein „Frankfurt“ zur Begrüßung, häufig „Danke“ und zwischendurch die Aufforderung „Alle zusammen!“. Zum Ausgleich steht der smarte Römer ganz dicht am Bühnenrand, begibt sich einmal sogar ins Publikum und kommuniziert durch Gesten, Hüftschwünge und gehobene Daumen. Auf dem Rücken seines T-Shirts steht „Frankfurt“. Und per Nahaufnahmen via LED kommen leidenschaftliche Mimik und die Tätowierungen seiner Unterarme zur Geltung.

Inmitten des bunten Spektakels gibt es eine Sequenz, da steht Eros Ramazotti alleine mit einer Gitarre auf der Bühne. Er singt „L’aurora“, zu deutsch „die Morgenröte“ und gleichzeitig der Name seiner Tochter, der das Stück gewidmet ist. Ein schöner, stiller Moment ohne Effekte, der besonders in Erinnerung bleibt.

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