Vom Wohlgefühl unvergesslicher Songs

Hanau - Filme, die ein positives Grundgefühl erzeugen, das nach der Vorstellung anhält, sind Feel-Good-Movies. Ein Konzert von Roger Hodgson ist das musikalische Pendant dazu: ein Feel-Good-Concert. Von Anke Steinfadt

Das liegt zum einen an den vielen Hits, die Erinnerungen wecken und durch ihre Intensität immer noch berühren. Zum anderen liegt es am Ex-Supertramp-Sänger selbst. Seine Entspanntheit steckt an. Seine höfliche Zurückhaltung ist herzerwärmend. Und die Anekdoten, die er lächelnd vorträgt, sind humorvoll und aufrichtig.

Konzert hat sich um eine halbe Stunde verzögert

So entschuldigt er sich zu Beginn für die Verzögerung um eine halbe Stunde. Er sei davon ausgegangen, dass es erst um acht Uhr losginge. Als er das erklärt, sind die ungeduldigen Pfiffe längst in Vergessenheit geraten. Das Publikum schwebt nach der Eröffnung mit „Take The Long Way Home“ bereits kollektiv im siebten Himmel. „Ich bin vor jedem Konzert aufgeregt und jede Show ist anders, das werdet ihr merken“, sagt der zierliche Mann mit den angegrauten, schulterlangen Haaren in einer Bescheidenheit, die er in Anbetracht seiner Erfolge nicht an den Tag legen müsste. Der 62-jährige Engländer gilt als herausragender Komponist unserer Zeit. Alle maßgeblichen Supertramp-Hits lieferte er.

An diesem Abend reiht sich einer an den nächsten: „Give A Little Bit“, „Dreamer“, „The Logical Song“, „It’s Raining Again“ und natürlich „Breakfast In America“. Zu Letzterem verrät der Sänger mit einem Augenzwinkern: „Jeder mag den Song, mit Ausnahme meiner Freundin. Das ist nicht so gut für die Beziehung.“ Zwischen den unverwüstlichen Hits spielt er weniger bekannte Balladen. Einen Höhepunkt bietet das zehnminütige hörspielartige Akustik-Spektakel „Fools Overture“ – eine Collage aus Elektrosounds, Geräuschen und Gesang, das extreme Sogwirkung entfaltet. Fünf Jahre war er mit dem komplexen Werk beschäftigt, bis die Einzelteile zum harmonischen Ganzen verschmolzen.

Topfpflanzen stehen im Hintergrund

Minimalistisch dagegen die Bühne: Vier mannshohe Topfpflanzen stehen im Hintergrund, darüber der Name des Sängers in Versalien, ein paar bunte Scheinwerfer. Das ist alles. Dazu: Trockeneisnebel. Hodgson bewegt sich in einem Ensemble aus Tasteninstrumenten, spielt zwischendurch Gitarre. Für die sehnsuchtvollen Mundharmonika-, Saxophon- und Trompeten-Einlagen, die Gänsehautmomente erzeugen, ist Aaron MacDonald zuständig. Er spielt außerdem Keyboard und fügt der hellen Tenorstimme Hodgsons in den Refrains eine dunklere Note hinzu. Die beiden Musiker verstehen sich blind.

Seit 1983 verfolgt Roger Hodgson seine Solokarriere, nachdem er Supertramp aufgrund musikalischer Differenzen verließ. Er hat mehrere Alben veröffentlicht. Stets betont er, dass die Songs seine persönlichen Erfahrungen und seinen Blick auf die Dinge enthalten. Diese Tatsache erzeugt das Wohlfühlgefühl. Und jede einzelne dieser Momentaufnahmen wird vom Publikum mit großem Applaus belohnt, gute anderthalb Stunden lang.

Spaß solle das Publikum haben und die Sorgen vergessen. Roger Hodgsons erklärtes Ziel ist am Ende hundertprozentig erfüllt.

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