Expeditionen zwischen Wien und Kingston

Veränderung und Kontinuität: Seit jeher hegen die Sofa Surfers, die Mitte der 90-er Jahre zu den prominentesten Protagonisten der Wiener Downbeat-Szene um Peter Kruder und Richard Dorfmeister gehörten, eine Affinität zu Dub und Reggae. 2005 dann, mit vierten Album, definierten sie ihren musikalischen Kosmos zwar neu, behielten aber ihren in Dub und Reggae gründenden Klang-Mystizismus bei.

Für den Herbst ist ein neues Album angekündigt. Der Eindruck der vielen neuen Stücke, die beim Konzert im Frankfurter Cocoon Club gespielt wurden, lässt die Folgerung zu, dass die Neuerscheinung ganz unmittelbar an den Vorläufer anknüpfen wird. Will meinen: Der Kosmos hat sich geöffnet. Mitunter hätte man sich beinahe auf einem Metal-Konzert wähnen können. Was immer aber geschieht, die Sofa Surfers bleiben immer ganz bei sich, es ist nur die Wahl der Mittel, die sich im Sinne einer tendenziellen Grenzenlosigkeit verändert hat.

Offenkundig scheint das Band-Bewusstsein des Sextetts ausgeprägter zu sein denn je. Die beiden Klangregisseure mit ihren Mischpulten, Laptops und Keyboards sind am Rande postiert. Die Show machen die Instrumentalisten und – ganz besonders – der schon 2005 eingestiegene schwarze Sänger und Tänzer Mani Obeya.

Die Musik greift mal aus in den TripHop, dann wieder klingt das Getöse des Big Beats an. Industrialsounds sorgen für eine technoide Note. Die Gitarre trägt mal ein noisiges Solo im Geiste der New Yorker Downtown-Avantgarde der 80-er Jahre ein. Bisweilen scheint auch der Fusion-Jazz nicht fern. Dann wieder bestimmt ein Metalriff einen Teil einer Nummer. Mit der Downbeat-Beschaulichkeit ist es jedenfalls vorbei. Rustikal ist die Musik deshalb noch lange nicht geworden. Eher schon ist eine gewisse Funkyness die Triebfeder. Im Kern aber geht es immer noch um Sound und Rhythmus, in Erkundungsreisen auf einer Achse Kingston-Wien. (zik)

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