Extrovertiert im Zustand der Erhitzung

Eine ungeheure Aufladung ist Kennzeichen der Musik von Grand Pocket Orchestra. Zu den Charakteristika des Dubliner Quartetts gehören das kollektive Stakkato und der kapriziös in die Höhe getriebene Gesang des lockenköpfigen Paddy sowie das gehämmerte Xylofon der puckhaften Keyboarderin und Melodikaspielerin Bronwyn.  Von Stefan Michalzik

Die australische Charge Group, die das Konzert im Offenbacher Hafen 2 eröffnet, spielt mit gesenkten Blicken eine epische Musik voller Melancholie. Die Violine gibt dem Gruppenklang seine Farbe. Alle Lieder beginnen spannungsvoll leise und enden in gigantischer Opulenz. Ein altbewährtes Schema, das immer verfängt. Stereotyp angewandt nutzt es sich über die Dauer eines Auftritts als Vorgruppe keineswegs ab; auf Konzertlänge könnte das durchaus anders sein.

Erinnerungen an den Glamrock und Roxy Music

Der Musik von Grand Pocket Orchestra ist ein theatraler Gehalt eigen. Die Show mutet kabaretthaft bizarr an. Erinnerungen an den Glamrock und die frühen Roxy Music mit Brian Eno werden wach. Zugleich ist ein Kurt-Weill-Faktor im Spiel. Der einzige Zustand, den Grand Pocket Orchestra zu kennen scheinen, ist die Erhitzung. Eine Ballade? Kaum vorstellbar. Dafür kann es vorkommen, dass ein Song schubhaft hervorbricht und binnen weniger als einer Minute wieder vorbei ist.

Grand Pocket Orchestra verbreiten Kurzweil. Der Klang wirkt auf lässig-elegante Weise ungehobelt und in effektvoller Weise simpel. Alles ist extrovertiert. Gutes Songwriting mag bei anderen das Ziel sein, hier ist es Voraussetzung: Es sind letztlich der bezwingende Rhythmus und der bei aller Intensität von Attitüden freie Auftritt, die den Stich machen. Grand Pocket Orchestra sind eine Band, der die Zukunft gehören sollte, falls es mit rechten Dingen zugeht.

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