Fall für Wiederholungstäter

Frankfurt - Gewisse Parallelen zwischen dem Fernseh-Ritual „Dinner For One“ und dem E-trifft-U-Musik-Spektakel „Night Of The Proms“ in der Frankfurter Festhalle lassen sich nicht leugnen. Von Ferdinand Rathke

Vom Auftakt mit der Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie“ von Franz von Suppé über diverse Klassik-Hits wie etwa die „Carmina Burana“, die knappen Moderationspointen von Markus Othmer und kollektives Mitklatschen zahlloser Wiederholungstäter im Publikum vermitteln im vierstündigen Marathonprogramm schlicht hohen Wiedererkennungsfaktor: „Same procedure as every year. “.

Zum Inventar zählt das belgische Orchester Il Novecento samt Chor Fine Fleur unter der Leitung von Robert Groslot. Ebenfalls als Institution verankert hat sich der Brite John Miles. Als Musical Director führt er die Rockformation an, beteiligt sich an den Arrangements, brilliert an E-Gitarre, Flügel und Mikrofon. Längst gilt Miles’ Evergreen „Music“ als inoffizielle Proms-Hymne. Als Bonbon serviert der Publikumsliebling die soulige Hommage „Valerie“ an die verstorbene Amy Winehouse sowie Elton Johns melodramatische „Lion King Suite“.

Zwischenbeifall erhält ausgerechnet ein DJ an den Plattentellern, der sich mit dem Orchester ein „Battle“ liefert, wenn „Under Pressure“ von Queen und David Bowie auf Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ trifft. Jedermanns Sache ist das nicht.

Als Sahnehäubchen fungiert regelmäßig die ergraute Pop-Prominenz – auch wenn mit der jungen deutschen Schmuseformation Stanfour eine Ausnahme gemacht wird. Chic unterhalten bis zur Pause mit den mehr als 30 Jahren alten Disco-Soul-Gassenhauern „I Want Your Love“, „Le Freak“ und „Good Times“, die kein bisschen Patina angesetzt haben.

Da fällt es der Britin Alison Moyet nach der Pause schwer, mit der gediegenen Jazzballade „That Ole Devil Called Love“ den Anschluss zu finden. Doch gelingt ihr mit zünftigem Eighties-Pop von „All Cried Out“ und „Don’t Go“ der Ausgleich – ein Ausnahmetalent, das wunderbar zeitlos in den Soul-Retro-Trend passt.

Heidi Klums Ehegatte Seal weiß auch einmal als Künstler zu überzeugen. Mit rauchigem Timbre interpretiert der Brite seine Hits „Papa Was A Rolling Stone/Killer“, „Amazing“ und „Crazy“, fasziniert aber vor allem mit der Ballade „Kiss From A Rose“ im Gespann mit den Sopranistinnen Diva4s, die über den Abend verteilt mit Auszügen aus Mozarts „Zauberflöte“, Bizets „Carmen“ oder Verdis „La Traviata“ bezaubern.

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