Auf die falsche Kur

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Wozu das Piano schlagen, wenn eine Gitarre zur Hand ist? Kate Nash rockt.

Da kenn‘ sich noch einer aus. Das Konzert kurzfristig von der Hugenottenhalle in neu-Isenburg nach Frankfurt in die Jugendkulturkirche Sankt Peter verlegt; dort nicht Kate Nash präsentiert bekommen, sondern eine Kopie aus Emma Peel- und Patti Smith-Kopien!?!? Von Christian Riethmüller

Stimmt gar nicht. Auf der Bühne stand tatsächlich Kate Nash samt vierköpfiger Band, doch klang der dumpfe Rock, der durch das frühere Kirchenschiff dröhnte, nicht nach jener vor drei Jahren über Nacht berühmt gewordenen Sängerin, die mit eingängigen Piano-Pop-Melodien und frechen, direkten und geistreichen Texten ein großes Publikum gefunden hatte. Die neuen Songs wie „I Just Love You More“ klangen auch nicht nach dem Motown-inspirierten Soul-Gewand, das dem neuen Album „My Best Friend Is You“ übergezogen worden ist, sondern doch eher wie Outtakes von Songs, die Joan Jett oder Blondie vor 30 Jahren als zu plump verworfen hatten.

Warum Nash ihre Songs dieser New Wave- und Rock‘n‘Roll-Kur unterzogen hat, wollte sich während des gut siebzigminütigen Konzerts nicht recht erschließen. Weder der reizvolle Kontrast zwischen süßer Melodie und scharfzüngigem Text wurde hier aufrechterhalten, noch bekamen die Songs besonderen Drive oder einen neuen Groove, zu dem sich hätte toben lassen können. So wurden Hits wie „Foundations“ oder „Mouthwash“ genauso verschenkt wie die eigentlich in Richtung Amy Winehouse schielenden neuen Stücke wie „Do-Wah-Doo“.

Selbst der Reiz der am Piano vorgetragenen Songs verpuffte schnell, weil Nash jede Form von Fluss spätestens mit dem Wechsel zurück zur E-Gitarre unterbrach. Da half es auch nichts mehr, das zahlreiche Publikum ans Wochenende zu erinnern. Amüsement trug an diesem Abend gewinn nicht den Namen Kate Nash.

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