Der mit den Fans tanzt

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Musik als Lustgewinn: Kevin Costner genießt sein Konzert in Offenbach.

Auf der Leinwand fängt alles an. Mit Szenen aus Filmen. Kevin Costner als Cowboy, als Elvis-Imitator und Bodyguard, als Golfer und Baseballspieler, als post-apokalyptischer Postbote und Robin Hood. Von Katrin Diel

Dann betritt der Filmstar die Bühne, mit ausgebreiteten Armen, lässt sich feiern. „Danke, dass ihr all die Jahre ins Kino gegangen seid“, sagt Costner zu seinen Fans im Offenbacher Capitol. Es wirkt ein bisschen, als müsste er sein Publikum daran erinnern, woher es ihn kennt – diesen Mann mittleren Alters mit schütterem Haar. „Falls einige nicht genau wissen, warum sie heute Abend gekommen sind, dann verstehe ich das“, meint er und grinst.

Denn seit 2007 spielt Kevin Costner eine neue und ungewohnte Rolle – die des Musikers. Ob es seine beste ist, nun, das vielleicht nicht – eine großartige aber dennoch. Das Capitol jedenfalls ist bis auf wenige Karten ausverkauft, was man von Costners Filmen zuletzt nicht behaupten konnte. Die Zuschauer scheinen genau zu wissen, weshalb sie gekommen sind. Ja, sie feiern auch den Filmstar – spätestens am Ende des Abends aber den Musiker.

Er steht auf der Bühne, weil es ihm Spaß macht

Als solcher begibt sich Costner mit der Band Modern West in die Gefilde des Country Rock. Nach „Untold Truths“ hat er Anfang des Jahres sein zweites Album „Turn It On“ herausgebracht. Mit weißem Hemd und schwarzer Weste bekleidet steht er hinter dem Mikro. Sein einst dunkelblondes Haar ist grau geworden. Trotz seiner 55 Jahre geht ein jungenhafter Charme von ihm aus – auch von seiner Stimme, die manchmal klingt, als hätte er den Stimmbruch gerade erst hinter sich.

Aber es muss nicht jeder Ton sitzen, denn Costner verfügt über eine viel wichtigere Qualität: Er kann sein Publikum mitreißen. Er steht auf der Bühne, weil es ihm Spaß macht, und nicht, weil er es nötig hätte. Immer wieder bittet er darum, dass das Licht im Saal eingeschaltet wird, damit er die Zuschauer sehen kann.

Die Band spielt einige Lieder vom ersten und fast alle vom zweiten Album. Das Programm beginnt mit dem rockigen „Red River“, gefolgt vom Hit „Long Hot Night“. Auch das Duett „Let Me Be The One“ darf nicht fehlen. Das singt Costner gemeinsam mit Sara Beck, der Frau seines Gitarristen Park Chisolm. Die Sängerin aus Nashville war zuvor bereits als „Anheizerin“ aufgetreten.

Der Abend geht viel zu schnell vorbei, knapp 90 Minuten spielt Costner. Am Ende verbeugt er sich, wirft Kusshände, zwinkert den Fans zu. Es folgen zwei Zugaben – dann öffnet Kevin Costner eine Flasche Sekt und holt ein paar glückliche Frauen aus der ersten Reihe zum Tanzen auf die Bühne.

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