Fanta Vier in Festhalle

Sie sind immer noch da

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Seit einem Vierteljahrhundert stehen die Fantastischen Vier für chartstauglichen deutschsprachigen HipHop

Frankfurt - Auch nach 25 Jahren einfach fantastisch: Fanta Vier verwandeln auf ihrer „Rekord“-Tour die Frankfurter Festhalle in eine Großraumdisko. Von Lena Marie Jörger 

Langsam hebt sich der LED-Würfel in der Mitte der Bühne. Nebel versperrt der johlenden Fan-Meute die Sicht. Als er sich lichtet – nichts! Das heißt, nicht ganz. And. Ypsilon und die fünfköpfige Band machen ordentlich Stimmung. Trotzdem: Erstaunte Gesichter im Publikum. Ein Scheinwerfer leuchtet in die Masse. Köpfe drehen sich um. „Da kommen sie!“-Rufe, Kreischen. Sie, das sind Smudo, Michi Beck und Thomas D. , die restlichen drei der Fantastischen Vier, die auf ihrer „Rekord“-Tour die Frankfurter Festhalle in eine Großraumdisko verwandeln.

Zu den ersten Takten von „25“ vom aktuellen Album bahnen sich die Stuttgarter ihren Weg durch die Masse, klatschen erhobene Hände ab, zwinkern ihren Anhängern zu. Ihr Ziel ist die kleine Bühne in der Mitte der Halle. Es ist der Auftakt zu mehr als zwei Stunden Dauer-Mitwippen, Arme-in-die-Luft-reißen und Kopfnicken.

Schon beim ersten Song tobt die Menge. Selbst wer einen Sitzplatz bezahlt hat, steht. Anders geht es nicht. Die vier Schwaben reißen – ganz entgegen des weit verbreiteten Klischees vom eher spießigen, um die Kehrwoche besorgten Württembergers – mit ihrer Performance jeden mit. Auch nach 25 Jahren.

Angefangen hat alles 1989. Die erste Bühne: Europaletten. Der Ort: ein ehemaliger Kindergarten. 1992 dann der Durchbruch mit „Die da!?!“, ein Song, auf den die Fans an diesem Abend allerdings vergeblich warten. Zeit, enttäuscht zu sein, bleibt aber nicht. Ein Vierteljahrhundert und neun Studioalben nach ihrem legendären ersten Auftritt sind die Vier immer noch da und immer noch einfach gut. Zwar sichtlich gealtert, aber mit der gleichen Energie wie früher springen Michi Beck, Smudo und Thomas D. über die Bühne. And.Ypsilon bleibt wie stets im Hintergrund, versteckt hinter seinem Mischpult.

Bilder vom Konzert in der Festhalle

Fanta4 heizen Fans in der Festhalle ein

Immer wieder fordern sie auf: „Frankfurt, nehmt die Hände in die Luft!“ Frankfurt folgt. Vom Teenie bis zum Mittvierziger im glattgebügelten Anzug rappt, klatscht, springt und tanzt jeder mit. Neben Stücken vom neuen Album „Rekord“ dürfen natürlich Klassiker wie „MfG“, „Populär“, „Sie ist weg“ und „Der Picknicker“ nicht fehlen. Dazwischen schlagen die Stuttgarter Berufsjugendlichen in Jogginghose, Basketballschuhen und schräg sitzendem Basecap aber auch ruhigere Töne an, nachdenklichere. Wie Thomas D. mit dem beinahe schon zu schmalzig geratenen „Gott ist mein Zeuge“.

Zu „Tag am Meer“ gibt’s ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und Handydisplays, Mütter und Töchter liegen sich im Takt wippend in den Armen. Die Zeitreise durch 25 fantastische Jahre deutschen HipHops wird zu einer einzigen Party mit bunten Lichteffekten, Konfettiregen, Papierschlangen und Sequenzen, teilweise live aufgenommen, auf Video-Vorhängen links und rechts der Bühne.

So mancher Fan scheint es am Ende der gewaltigen Geburtstagssause nicht ganz glauben zu wollen, dass die „Fantas“ die Bühne für diesen Abend definitiv verlassen haben. Der einzige Trost: Sie werden wieder kommen.

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