Pfingstkonzert in der Seligenstädter Einhardbasilika

Farbenreiches Spiel von Orgel und Trompete

Seligenstadt - Feine Höhen erklomm Manfred Bockschweiger, Solotrompeter des Staatstheaters Darmstadt, in Duetten mit dem Münchener Organisten Stefan Moser zu Pfingsten in Seligenstadts Basilika. Von Reinhold Gries 

Vorwiegend Wohltemperiertes bot Moser dazu bei ausgiebigen Soli auf der Wilbrandorgel. Wie geschickt der Orgelvirtuose zu registrieren versteht, zeigte er auch an bearbeiteten Orchesterwerken des Barock. Georg Friedrich Händels Konzert g-Moll brachte filigran verzweigte und gravitätisch schreitende Motive. Auch in der Orgelfassung zu Johann Sebastian Bachs 3. Brandenburgischem Konzert in G-Dur verstand es Moser prächtig, das Agieren der drei gleichberechtigten Streichergruppen in passenden Registerfarben zu imitieren. Gesteigert wurde der Farbenreichtum durch Bockschweigers Trompetenstimme, oft wie ein Orgelregister eingesetzt.

In Giuseppe Torellis viersätziger Sonate D-Dur überzeugten Bockschweigers weich gespielte Kantilenen wie seine Kanons mit hohen und tiefen Orgeltönen. Ähnlich gelungen die kantable Trompeten- und Orgelversion zu Georg Philipp Telemanns Konzert mit ungezwungen dahinfließender, melodiegesättigter Musik. Man hatte noch mehr zu bieten an diesem langen Abend.

Moser demonstrierte an Wolfgang Amadeus Mozarts Komposition „für ein Orgelwerk in einer Uhr“ - ursprünglich für eine mechanische Vorrichtung komponiert, welche Musik mittels Walzen und kleinen Pfeifenreihen wie Flötenuhren zum Klingen brachte - Überraschendes. Die Adagio-Sätze in f-Moll klangen wie elegische Trauermusik, während die Sonate mit Kabinettstücken gefiel. Bildhaft dann Mosers Version zu Felix Mendelssohn Bartholdys Hebriden-Ouvertüre, einer zauberhaften sinfonischen Dichtung. In Harmonie mit Bockschweigers melancholischen Gesängen auf dem Flügelhorn konnte man sich auch beim „Gammal Fäbodpsalm“ Oskar Fredrik Lindbergs in die Schwermut schwedischer Landschaft hineinversetzen. Unterhaltsam wirkten das „Moonlight and roses“ genannte Andantino Des-Dur von Edwin Henry Lemare, das der Organist ebenso auskostete wie seinen Part in Vincenzo Bellinis Konzert Es-Dur für Trompete und Orgel, in der Bockschweigers Fanfaren die Glanzlichter setzten.

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