Feinsinnige Auswahl an Kantaten

Frankfurt - Weltenschmerz, Todesangst und der Glaube an die ewige Seligkeit zogen sich als roter Faden durch geistliche Kantaten barocker Meister beim Bachkonzert in Frankfurts Alter Oper. Von Klaus Ackermann

Dabei setzte Bell’Arte Salzburg, Spezialisten auf historischen Instrumenten, Werke der Zeitgenossen Christoph Graupner, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann beziehungsreich in Szene. Ein konzertanter Gottesdienst, von hochkarätigen Gesangssolisten geprägt: An der Spitze Emma Kirkby, deren silbriger Sopran die historische Klangforschung verinnerlicht hat. Doch der Weltstar kann nicht verhindern, dass mancher Satz ein wenig spannungslos gerät.

„Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“ – den Evangelientext unterstreichen gleich zwei Kantaten, wobei das von Barock-Violinistin Annegret Siedel geleitete Ensemble mit Viola und einem Basso continuo aus Theorbe (einer Art Bass-Laute), Viola da gamba und Orgelpositiv an den 250. Todestag des in Darmstadt wirkenden Christoph Graupner erinnert. „Hin geht die Zeit, her kommt der Todt“: Instrumental umspielt, haften die Choralzeilen mit den Solisten als Chorquartett umso intensiver. Und Kirkbys Accompagnato, mit ungebrochener vibratoloser Stimme ausdrucksvoll, wirkt wie ein klingendes Gebet.

Auch Bachs gleichnamige Kantate pendelt zwischen Gottesfurcht und Hoffnung auf die Ewigkeit, mit der Barockklarinette, der historischen Oboe und der Oboe da caccia für die motivischen Begleitfiguren. Letztere figuriert mit der Orgel in der Alt-Aria einen Willkommensgruß an den Tod, den Altus David Erler eher gleichförmig absolviert. Was einigermaßen verwundert, hat er doch in Telemanns Kantate „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ mit runden, natürlichen und expressiven Stimmgaben aufhorchen lassen. Wie der kernige Tenor Andreas Post mit feiner gesanglicher Linie und gefühlvollen Koloraturen.

Bachs Erfindungsreichtum in kleiner Besetzung, Solosopran, Oboe, drei Streicher und Continuo, spiegelt „Mein Herze schwimmt in Blut“ mit Kirkbys Affekten in weiträumiger Melodik und Koloratur. Ein Entdeckung ist Graupners „Gib, Gott, dass ich nach Deinem Bilde“, der in Klang und Form seiner Zeit vorausprescht. Und es bedarf eines so vielseitigen und wohltönenden Bassisten wie Gotthold Schwarz, den auch eine nahezu modernistisch von Generalpausen und sparsamer Oboen-Streicher-Figuration zerfledderte Aria nicht aus dem Takt bringt.

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