Hausherr John Dew inszeniert Oper „Turandot“ in Darmstadt.

Femme fatale verschleißt Freier

Prinzessin Turandot (Katrin Gerstenberger) ist tatsächlich so streng, wie ihre Frisur vermuten lässt.

Das Schlussbild verrät bei aller Opulenz auch ironische Distanz: Lauter engelsbeflügelte Kinder kriechen unter dem Bett hervor, in dem Turandot offenbar ihre Abneigung gegenüber der Liebe verloren hat. Dazu fahren die Glühlampen-Ketten an der Decke Karussell.

Das Schlussduett zwischen Calaf und Turandot konnte Giacomo Puccini nicht mehr selbst komponieren. Am Staatstheater Darmstadt hat sich Intendant John Dew in seiner Inszenierung dieses letzten Werks des italienischen Komponisten für die meistens gespielte Vervollständigung durch Franco Alfano entschieden und dem Stück ein etwas kitschiges glückliches Ende aufgesetzt.

Turandot ist die Prinzessin, die ihre Anbeter der Reihe nach mit letalem Ausgang verschleißt. Regisseur Dew, der unlängst seinen 65. Geburtstag feierte, lässt sie als streng frisierte Femme fatale auftreten, von der Sopranistin Katrin Gerstenberger auch vokal angemessen dunkel und nachdrücklich in Szene gesetzt. Ihr tenorales Pendant ist als Calaf der Sänger Zurab Zurabishvili – sein „Nessun dorma“ klingt nicht voluminös, aber stabil. Als eher herbe, aber spitzentonsichere Liù bleibt Susanne Serfling im Gedächtnis.

Recht statisch legt Dew diese „Turandot“ an, mit freilich belebenden Accessoires: Die Minister Ping, Pang und Pong zum Beispiel erscheinen wie chinesische Varianten von Figuren der Commedia dell’arte; der Kaiser Altoum (Markus Durst) schwankt so labil, dass klar wird: Er hat seine Macht nicht mehr im Griff.

Musikalisch präsentiert sich die Inszenierung nicht zuletzt wegen der von André Weiss vorzüglich einstudierten Chöre als packende Angelegenheit. Am Pult des Orchesters sorgt Kapellmeister Martin Lukas Meister nicht nur für die nötige Wucht, sondern auch für transparenten Feinschliff. Großer Jubel gerade für die musikalische Seite! AXEL ZIBULSKI

Nächste Vorstellungen heute und am 26. Juni sowie am 9. Juli

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